Aktuelle Krisen – Einzelkrise – Krisenwellen

Aktuelle Krisen in der Welt – Von der Einzelkrise zur
globalen Krisenwelle.

Vortrag 2011-09-14 im Homberger Treff in Zusammenarbeit mit VHS-Ratingen  (vor einem ausgezeichneten Publikum – jeder Vortrag ist so gut wie seine Zuhörer)

Krise ist da

Wir leben mit einer wirtschaftlichen und politischen Entwicklung, die, wenn nicht grundlegende Dinge passieren, zum Zusammenbruch unserer internationalen wirtschaftlichen und politischen Ordnung der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg führen wird. Die Zeichen an der Wand sind unübersehbar geworden:

  • Griechenland steht vor der Pleite,
  • bei der gestrigen Versteigerung italienischer Staats-Anleihen sind die Zinsen für italienische 5-Jahres-Anleihen auf 5,6 Prozent gestiegen und liegen inzwischen 4 Prozent über den vergleichbaren deutschen Staatsanleihen.
  • Amerikanische Geldmarktfonds ziehen ihre Gelder von Europa ab.
  • Die Armut in USA ist nach dem gestrigen Bericht auf 46 Millionen gestiegen, ähnlich die Zahl der Menschen ohne Krankenversorgung.
  • Die europäischen Banken sind im Kurs 75 Prozent seit ihren letzten Hochs gefallen und stehen möglicherweise kurz vor einem totalen Einfrieren ihrer gegenseitigen Geschäfte. Die größte französische Bank BNP Paribas bekommt angeblich keine Dollars mehr von amerikanischen Geldmarktfonds.
  • Meldungen dieser Art überschlagen sich und haben inzwischen ein bisher in dieser Form und Häufigkeit nicht gekanntes Niveau erreicht.

Parallel zu dem, was wir Finanzmarkt nennen, verändert sich der Ton in der politischen Diskussion auf dramatische Weise.

  • Er verschärft sich sozusagen in der absoluten Tonhöhe und Lautstärke auf ungeahnte Weise.
  • Zweitens: Es kommt zu völlig neuen Rissen quer durch Parteien und Institutionen, die bisher durch ihre quasi blockartige Meinungsbildung Vertrauen und Stabilität
    versprachen.
  •  Dritte Komponente der Tonverschärfung: Zwischen den bisher friedlich kooexistierenden  Ländern der westlichen Welt fängt eine neue Runde des Streits an.
  • Viertens:  China ermahnt die USA, eine Situation, die geschichtlich völlig neu ist.

Es kristallisieren sich zwei letztlich uralte Positionen  heraus

  • Die Banken,  sprich das Finanzsystem, sind die Ursache. Durch die Deregulierung sind sie zu  mächtig geworden.
  • Die andere Position: Die Welt ist voller Ungleich­gewichte. Eine spezifische Position hierzu ist die These der übermäßigen Verschuldung,  insbesondere der Staaten des Westens.

Eine Folge dieser extremen Spreizung von Meinungen: Wir, die wir tagtäglich Entscheidung aller Art auch wirtschaftliche im Zusammenhang mit  unserem Geld, mit Dispositionen aller Art, Ratschlägen für Kinder und Verwandte zu treffen haben, wir sind verunsichert. Oder gehen auf Nummer Sicher – und  wissen nicht, ob Nummer Sicher vielleicht die falsche Nummer ist. Im Folgenden wollen wir versuchen sowohl den Überblick zu erhalten:

  • über unsere  aktuelle Situation
  • als auch direkt praktische Erkenntnisse für uns als individuelle politische Bürger wie auch individuelle ökonomische  Handlungseinheiten mit ihren konkreten praktischen Notwendigkeiten

Zum Ablauf: In dem Referat werden Fragen gestellt und  Antworten dazu gegeben. Wir konzentrieren uns auf wirtschaftliche Aspekte.  Lassen also ausser Acht Probleme wie die Demographie, die sicherlich eine Rolle  spielt, aber auch bestimmte Formen der Katastrophentheorien, wie sie fleißig  diskutiert werden. Wir wollen versuchen, möglichst nahe an der Realität zu  bleiben, aber auch so weit weg von Einzelproblemen, dass wir nicht anfangen auf  nur ein Problem zu schielen.

Erste Frage: Wir Deutsche hatten das Wirtschaftswunder,  die Aktienindizes sind in den fünfzig Jahren z.B. beim Dow Jones von ungefähr  500 bis 14.000 gestiegen, was nicht nur auf Spekulation beruht, es gab doch  eine riesige Aufwärtsentwicklung?

Schauen wir uns daher diese Globale Expansion in ihren  Grundzügen an. Das hat den Vorteil, dass wir verstehen werden, welche gewaltigen Veränderungen sich ergeben haben und wie/warum sie sich ergeben haben werden. Denn wenn hier sich etwas ändern wird, verstehen wir die Dimension, dessen was uns erwartet, besser und erst richtig.

Globale Expansion

Start

Die globale Expansion nach dem Zweiten Weltkrieg geschieht in den drei weltwirtschaftlichen Kernregionen USA, Europa und Japan. Sie ist  gekennzeichnet durch eine ökonomisch interessante gleichzeitige Zunahme von  Investionen, Sparen, Konsum und Steueraufkommen – ohne starke inflationäre  Prozesse und bei optimistischer Grundeinstellung der wirtschaftlichen Akteure. Eine Idealsituation. Und wir haben -international gesehen- rein theoretisch  eine Art von Sicherung in dem System, da offiziell jedes Land, das an dem  System von Bretton Woods teilnimmt, vertraglich berechtigt ist, seine  Dollarbestände in Gold einzufordern. Außerdem feste Wechselkurs. Aber ansonsten  Papiergeld überall.

Den USA gelingt nach der Phase der staatsautoritäten Wirtschaftspolitik unter der Roosevelt-Administration der Umstieg von der  Kriegswirtschaft zu einer durch private Investitionen getragenen Nachkriegs- und  Konsumwirtschaft – sicherlich bei hohen Rüstungsausgaben.

In Europa läutet das Ende der Kriegszeit den Beginn eines konsumgetriebenen Booms und ebenfalls einer privatwirtschaftlichen  Investitionswelle ein. Die japanische Wirtschaft expandiert in einer  fulminanten technologiegetriebenen  Produktionswelle, die ab Anfang der 1960er  Jahre die Weltmärkte erreicht. Deutschland exportiert 400 Tausend Käfer jährlich in die USA.

Liquidität – erster Blick

Was so gut klingt, hat aber eine ökonomische Seite, die bedacht sein will. Exportiert ein Land mehr als es importiert, entstehen  Devisenüberschüsse. Die werden auf Konten geführt, erhöhen die Geldmenge,  fangen an, in der Welt zu wandern. So erkennen wir die ersten Liquidtätsquellen:

  •   Startliquidität amerikanischer Hilfsprogramme, noch geringe (was heißt schon  gering?) Staatsschulden und Exportüberschüsse. Solange eine Wirtschaft kräftig wächst, noch kein Problem.

1973 Jahr des Einschnitts

1973 ist eine Art Schlüsseljahr mit mehreren Ereignissen. Das Währungssystem von Bretton Woods bricht zusammen, weil sein zentraler  Bestandteil wegfällt. Ein Land mit Devisenüberschussen kann nur nicht mehr  sagen: Ich möchte Gold dafür. Devisenreserven sind ab jetzt ein Anspruch auf Papiergeld eines anderen Landes. Nicht weniger – aber nicht mehr. Was das fremde Land  macht, gute, schlechte Wirtschaftspolitik – sein Problem – aber auch unser Problem. Parallelen zu Griechenland-Bonds sind unverkennbar.

Zweitens: In 1973 die sogenannte Ölkrise infolge des damaligen Konflikts Israel-arabische Länder. Es steigt der Ölpreis um das Mehrfache. Die  Folgen sind bemerkenswert.

Globaler Blick

Eine scheinbar unendliche Freiheit zieht in die politische  und ökonomische Welt ein. Zunächst zum neuen Nicht-Währungssystem: Weil Geld,  d.h. Liquidität nun scheinbar ohne Begrenzung im Überfluß angezapft werden  kann. Normalerweis entsteht Geld im Papiergeldsystem durch eine  Kreditbeziehung. Ich verschulde mich, um eine Wohnung zu kaufen. Die Bank zahlt  mir das Geld aus oder überweist es auf mein Konto. Dann wandert es unter die  Baufirmen und so weiter. Zahle ich den Kredit zurück, geschieht das dadurch,
dass ich Bargeld oder Geld auf meinem Konto der Bank zurückzahle.

In der nach Bretton Woods Zeit ist alles anders. Wenn  Staaten untereinander handeln, hat der eine einen Überschuß und der andere ein  Minus. Ein dauerhaftes Handelsbilanzdefizit kann nun aber nicht mehr dadurch sanktioniert werden, dass das Überschußland vom Defizitland fordert: Meine  Devisen bitte in Gold.

1975

Schauen wir zwei Jahre weiter. Als das Jahr 1975 endet, ist  niemand so richtig klar, dass es das letzte Jahr ist, in dem die USA einen Exportüberschuss aufweisen. Seitdem immer im Minus. Und in den  anderen Länder sammeln sich Devisenüberschüsse.  D.h. Konten auf denen sich Dollar sammeln. Und zugleich: die Wechselkurse sind  frei und wie bewegen sich jetzt nach Lust und Laune, möchte man sagen.

Ölpreis: Die Ölländer schwimmen mit jedem Barrel, das sie  weniger in Öl schwimmen, immer mehr in Geld. Gutes Öl gegen Papiergeld, eigentlich nicht einmal das, sondern nur eine Zahl auf einem Konto. Welch ein  Geschäft. Natürlich muß dieses Geld arbeiten, wie man sagt. Fließt in die  Aktienmärkte, beflügelt später besonders die amerikanischen Märkte. Die  ansetzende Integration der Aktienmärkte bei steigenden Börsenkursen gibt den  USA die Gelegenheit, sich in Europa einzukaufen.

Jedenfalls, es kommt wieder mehr Liquidität in die  Weltwirtschaft. Nordseeöl und -gas wird erschlossen. Norwegen wird auch ein Überschussland mit Überschussliquidität, die Anlage sucht: Z.B. in VW-Aktien  oder später in griechischen Anleihen. Wir sehen den Zusammenhang, die  Zubereitung und Kombination der Zutaten in unserer Küche, zwischen Öldollars  und Staatsverschuldung. Die Banken steuern die Kapitalströme. Das ist ja ihr  Job. Aber das Kapital wird immer mehr.

Wenn heute Gold so stark im Wert steigt, ist das sicherlich auch Spekulation und erfolgreiche Strategie der Goldminengesellschaften. Aber es ist auch die Angst, was Geld ohne letzte Garantie bedeutet.

Ende der 1960er und in den 1970er Jahren unterbricht eine Bewusstseinskrise mit Vietnam, Club of Rome und Grenzen des Wachstums sowie  eines stagnierenden Aktienmarktes und eines Zusammenbruchs des Währungssystems  von Bretton Woods aus 1944 den Wachstumsprozess, der mit der sog. Reaganschen  Revolution zu Beginn der 1980er Jahre wieder voll einsetzt. Zumal jetzt nach  Nixons Besuch in China in 1972 Asien in die Weltwirtschaft aufgenommen wird.

Die 1980er Jahre

US-Präsident Reagan hat freie Fahrt. Bretton Woods gab ihm  diese für steigende Handelsbilanzdefizite, Dollardevisen bleiben Devisen und  werden niemals mehr Gold. Und Reagan macht kräftig Schulden.

Weil die USA sich immer mehr verschulden werden und die  amerikanischen Haushalte immer weniger sparen werden. Der ultimative  Krisenmechanismus: zwei Ungleichgewichte (Außenhandel und Staatshaushalt), die sich gegenseitig ergänzen.

Praktiziert von erwachsenen Regierungen aller Herren Länder.

Die 1990er Jahre China

Das amerikanische Handelsbilanzdefizit ist China recht, da  es einen Exportboom auslöst und die Industrialisierung des Landes anschiebt. Die digitale Revolution ab den 1990er Jahren versorgt das System erneut mit  Wachstum, das zugleich noch einmal einen Liquiditätsschub durch kreative  Finanzinstrumente erhält.

Fassen wir zusammen:  Die Welt verfügt nun über folgende Geldquellen und  wirtschaftliche Antreiber: unternehmerische Verschuldung, um zu investieren,  private Verschuldung für Auto oder Immobilie, Handelsbilanzdefizite  insbesondere der USA, Petrodollars insbesondere der arabischen Länder aber  jetzt auch von Norwegen mit seinen Öleinnahmen. Und die Staatsdefizite.

Diese Geldquellen haben nun folgendes erzeugt: Erstens: ein gewaltiges monetäres Meer. Das global nach Anlage sucht, Herdeneffekte nicht augeschlossen. Die Zahlen spielen (hier nicht, für spätere Rettungspakete wohl!) keine Rolle, weil sie sowieso nicht  vorstellbar sind. Zweitens: Mit diesen Geldquellen ist ein gewaltiger Finanzsektor entstanden. Die Banken sind sozusagen an ihrer Aufgabe gewachsen, was nicht anders zu erwarten war. Weitere Folgen später. Eine vielleicht schon jetzt: Je  mehr Geld im System, je mehr Intelligenz im Bankensystem – desto größer die Gefahr kreativer Finanzinstrumente, um das Geldmeer aufschäumen zu lassen.  Ergebnis zum Beispiel: die Immobilienblasen in USA, Irland, Spanien. Die dann die Finanzkrise 2008 auslösen.

1999 bis 2002 Der Euro

Jetzt zum Euro, der zwischen 1999 zuerst als  Verrechnungseinheit und ab 2002 als Bargeld in der Euro-Zone eingeführt wird.  Vorab eine Art Meta-Sicht des Geldes. Betrachten wir den Euro einmal folgendermaßen. Das  Nach-Bretton-Woods-System des Geldes ist eigentlich eine Kombination von Zufall  oder Chaos und Vorschriften. Chaos oder Zufall, weil Geld da entsteht, wo  Kredit entsteht, je nachdem, ob eine Firma expandiert, ein Haushalt sich  verschuldet, eine Volkswirtschaft Exportweltmeister ist oder die andere im  Gegenzug Importweltmeister sind wie die USA. Vorschriften, weil man mit Geld- und Zinsoperationen der Zentralbank, mit Vorschriften für die Banken über ihr  Eigenkapial und vieles mehr das System so zu regulieren erhofft, dass alles schön in einem Gleichgewicht bleibt, bei dem die Wirtschaft wächst und die Preise einigermaßen stabil bleiben.

So etwas ist eigentlich einmalig. Die chinesischen Kaiser haben so etwas mal um 1200 probiert. Es endete aber in einer Inflation. Jedenfalls bisher schien es nach dem Zweiten Weltkrieg so, als habe man den  Stein der Weisen gefunden, Geld als das ultimative Wirtschaftsgut, in der nationalen und internationalen Wirtschaft und bei den Konsumenten durch Schulden und Kredit der Firmen und Privatleute und auch durch Handelsbilanzungleichgewichte entstehendes abstraktes Gut, aber dann auch immer mehr staatlich entstehendes Medium – nämlich durch Staatsschulden.

Beim Euro ist man mutig geworden. Man hat sich also an ein  System herangewagt, das durch Staat und EZB im Gleichgewicht bleibt und so als  Geld gut funktionieren sollte und gar eine politische Integrationsfunktion beinhalten sollte. Natürlich konnte es so nicht funktionieren. Das sehen wir  heute. Warum und wie das weiter gehen könnte, will ich hier nicht vertiefen.  Aber denken wir zurück an unsere Geldquellen für die weltweite Expansion nach dem Zweiten Weltkrieg. Der Euro hat hier regelrecht als Superquelle gewirkt. Da  ist Gerolsteiner nichts dagegen.

Die Quelle hat folgendermaßen funktioniert. Die Südstaaten,  die bisher keinen Kredit bekamen, erhielten plötzlich Kredit, weil sie im Euro  waren. Der Euro hat als Bonitätsübertragungsmaschine gewirkt.

Griechenland hat sich daraufhin knallhart mit Staatsschulden versorgt. Natürlich haben die Banken kräftig geholfen. Die Renditen waren  höher als im Heimatland. Die Bonitätsübertragung an die Südstaaten hat wie ein  Treibsatz für ihre staatliche  Schuldenexpansion gewirkt. Abgesehen von der  Boomstimmung, die die Löhne steigen läßt und damit ihre Wettbewerbsfähigkeit  wie Eis in der Sonne vergehen läßt.

Zweite Frage: Wie hört ein solcher Superzklus denn auf?

Wie gerät ein solches System ins Schleudern – in die Krise? Muß das Ganze in eine Krise münden? Man spricht ja immer von dem Soft-Landing?  Was erwartet uns?

Antwort: Ende der Blasen

Blasen entstehen mmer durch Übertreibung. Die Liquiditätsquellen hören plötzlich auf zu  sprudeln. Plötzlich, so dass für eine weiche Landung keine Zeit mehr ist. Die  weiche Landung widerspricht fast der Natur bestimmter Märkte. Schauen wir uns  das genauer an.

Immobilien

Eine Blase entsteht durch Übertreibung und platzt an ihr wie im Falle der Immobilienkrise in den  USA. Die nach dem Zweiten Weltkrieg mit der Entwicklung des Geldwesens zugleich  mitentstehende Expertenschar nennt das Asset Inflation. Banken – aber auch die Immobilienbesitzer selbst sind nicht unschuldig. Die Preise sind einfach  unrealistisch hoch. Die Verschuldung der Hypothekennehmer entspricht nicht mehr  ihrem Einkommen.

Irgendwo kippt das System – und jeder will plötzlich raus – aus den gewinnver-sprechenden Anlagen. Der typische Baisse-Zyklus. Und es versiegt unsere erste Geldquelle: Die private Verschuldung. Die privaten Krisen  in den USA, Irland, Spanien werden lange anhaltende Folgen haben. Am Rande:  Vielleicht platzt noch in Kürze die chinesische Immobilienblase, deren Folgen ebenso unabsehbar sein werden. Eine riesige Vielfalt von Finanzpapieren um die Blase bricht in sich zusammen.

Staatsdefizite

Historisch gesehen, werden Staatsdefizite durch Staatsbankrotte beendet. Dann, wenn die Geldgeber kein Vertrauen mehr in die Kreditfähigkeit des Staates mehr haben. Um diese Vertrauensgrenze nicht zu erreichen, gab es die Maastricht-Kriterien. Generell gesehen ist der Level, bei  dem der Vertrauenensverlust einsetzt, nicht zu formulieren. Aber insgesamt gesehen, haben wir in allen Industriestaaten und ihren Randstaaten wie  Griechenland das Ende der Fahnenstange erreicht. Darüber hinaus weiter finanzieren können sich nur noch sehr starke Staaten wie die USA, die für die  Kapitalgeber die sozusagen letzte politische, auch machtpolitische Garantie sind. Das erleben wir im Vergleich Griechenland zu USA. Die USA sind oder werden höher verschuldet sein als Griechenland, aber ihre zehnjährige  Staatsanleihe rentiert unter zwei Prozent.

Dennoch ist auch auch diese große Quelle für das globale  Wachtum am Ende ihrer Vorräte angelangt. Es sei denn sie wird von Defiziten von  neuen Ländern wie China und Indien abgelöst.  Aber sie werden bei weitem nicht in diesem Ausmaß zu erwarten sein.

Handelsbilanzdefizite

Handelsbilanzdefizite und Exportübershüsse sind Formen des internationalen Ungleichgewichts, mit denen wir Deutsche uns in Zukunft mehr  beschäftigen werden. Wir werden schon als die Chinesen Europas betrachtet.  Vielleicht erwartet man von uns, dass wir deswegen mehr für den Euro tun  sollten. Oder man sagt, wir unterstützen den Euro, weil das unseren Export stützt. Kompliziertes Thema. Nicht ganz unser Focus letztlich.

Was sind die Folgen, wenn die Ungleichgewichte aufhören,  die Geldwelle bricht?

Konzentrieren wir uns auf die die Staatsschulden oder die Immobilienkredite.

Volkswirtschaft, Nachfrage Reduzierung

Volkswirtschaftliche Folgen für das Wachstum: Reduzierung der Nachfrage, weniger Gewinne der Firmen in direkter Form, sofern der Konsum  nachläßt. Internationale Firmen gleichen das meistens heute noch aus, wie  Nestlé oder BMW, Mercedes. Aber dennoch langsamer Druck auf die Bilanzen und  Börsenkurse, denn die Stimmung sinkt. Die Hypothekenlasten steigen, in USA geht  der Konsum deutlich zurück, es wird mehr gespart.

Sektoral

Sektorale Folgen: Der Bankensektor hat weniger zu tun, lebte  von der Kreditexpansion.

Kredite werden faul

Aber nicht nur quantitativ passiert etwas, auch qualitativ. Die Preiswellen, die zu Ende gehen, die Schuldenwellen, die zu Ende gehen,  lassen Kredit, wie der unschöne Ausdruck sagt, insbesondere in den Bankenbilanzen und Portefeuilles großer Investoren „faul“ werden.  Diese faulen Kredite zusammen mit schwachem Kreditgeschäft schränken die Rentabilität der Banken ein. Zudem agioeren sie vorsichtiger, wenn sie solche Papiere in großen Mengen in ihren Bilanzen haben.

Sektorale Folgen für die Börsenindizes

Das hat wiederum Folgen für das Wachstum, aber auch für die  Gewinne im Dow Jones, Deutsche Börse verschiebt Börsenpläne wie vor Tagen. Die  Banken machten im Höhepunkt einen Anteil von 40 Prozent zum Beispiel der Gewinn- und Dividendensumme des Dow-Jones. Druck auf die Kurse ist die Folge.

Faule Kredite schüren Misstrauen.

Faule Kredite haben wiederum ein erhöhtes Misstrauen der  Banken untereinander zur Folge. Das muntere Geschäft des gegenseitigen Verleihens, um Geschäfte hier und da, Projekte, die auch Arbeitsplätze schaffen, hier und da anzuschieben, gerät ins Stocken. Weiteres Wachstumshemmnis, Weiterer Druck auf die Kurse. Ein Beispiel: Am Dienstag, 13.  September 2011 fallen die Kurse der französischen Banken, z.B. der Banque BNP  Paribas an einem Tag um 13 Prozent in der Spitze, weil bekannt wird, dass  bekannte amerikanische Geldmarkt-Fonds der Bank kein Geld mehr leihen und die Bank auf normalem Weg sich keine Dollars mehr verschaffen kann.

Verstaatlichungen und Angst davor

In diesem Zusammenhang grassiert dann leicht die Angst vor Verstaatlichungen. Angst erzeugt Angst – erzeugt Dementi und dann schwierige  Lage und damit noch mehr Angst.

Zwischensumme

Nachfragereduzierung, faule Kredite, Misstrauen, Angst, Gewinnreduzierung bei den Banken lösen negative wirtschaftliche Effekte aus.

Staats-Altschulden-Dilemma

Die bislang entstandenen Staatsschulden müssen laufend  refinanziert werden. Die Laufzeiten dieser Schulden gehen von drei Monaten bis typischerweise zehn Jahre, in USA und Großbritannien noch länger. Es gibt  welche bis 50 Jahre. Diese Schulden, d.h. Staatsanleihen, werden fällig im  Rahmen einer Wirtschaft wie in Europa, die nicht mehr wächst, weil ihr eine  Wachstumsquelle, die Geldquelle, nun fehlt. Sie müssen dann refinanziert werden  oder zurückgezahlt werden. Aber für eine Rückzahlung oh-Schreck ist im  Haushalt, der ja mit einem Defizit von unseren Parlamentariern beschlossen ist,
das Geld und ist kein Posten im Etat vorgesehen. Also: Refinanzierung. Bei  einem sog. Nullwachstum bleibt (bei konstanten absoluten Schulden und  konstanten Zinsen) wenigstens der Anteil der Zinslast an der Wirtschaftsleistung eines Landes konstant.

Inflations-Soft-Landing

Würden nun gleichzeitig die Preise dank der Geldpolitik, sprich Federal Reserve oder EZB über dem Durchschnittszinssatz der Staatsschulden steigen, entsteht wenigstens eine reale Verminderung der  Staatsschulden. Man beachte die Paradoxie: Jetzt nimmt man Geld in die Hand, um  ein anderes lästiges monetäres Aggregat, hier die Summe aller Staatsanleihen, im realen Wert zu reduzieren.

Psychologie wird immer wichtiger

Dieser Prozess der schleichenden Entreicherung der  Gläubiger, aber überhaupt der Inanspruchnahme des Finanzsystems bei der laufenden Refinanzierung von Altschulden in einer nun stagnierenden Wirtschaft  erfordert ein hohes Maß an Fingerspitzen­gefühl. Das war unlängst zu  beobachten, als in einer Ausgabe der Welt am Sonntag am 11. September 2011 der  deutsche Bundeswirtschaftsminister Rösler (FDP) die Insolvenz Griechenlands  konkreter als bisher von öffentlichen Stellen in Deutschland ins Auge faßte.  Hierzu ein Zitat, was die deutsche Bundeskanzlerin sagte: Merkel mahnt zur rhetorischen Vorsicht. Auch Bundeskanzlerin  Merkel (CDU) ging – ohne ihn namentlich zu erwähnen – deutlich auf Distanz zum FDP-Chef. Im rbb-Inforadio bekräftigte sie am Dienstag, dass sich mit dem Euro auch die Zukunft Europas entscheide. Es gehe also um sehr viel. „Und  deshalb sollte jeder auch seine Worte sehr vorsichtig wägen. Was wir nicht  brauchen können, ist Unruhe auf den Finanzmärkten. Die Unsicherheiten sind schon  groß genug.“ Wirtschafts- und Finanzpolitik sei zur Hälfte immer auch Psychologie.
(http://www.ftd.de/politik/deutschland/:aeusserungen-zu-moeglicher-griechenpleite-merkel-und-steinmeier-gehen-mit-roesler-ins-gericht/60103429.html)

Paradoxie: Das Finanzsystem ist gerade durch die  Nationalstaaten und ihre Schuldenpolitik groß geworden. Jetzt wollen sie noch vorsichtig behandelt werden. Auch hier ein literarisches Vorbild bei unserem Herrn Goethe, Kultur hat immer irgendwie was Erleichterndes und Heiteres:

„Die Geister, die ich rief, werde ich nicht mehr los.“

Frage: Kann man denn nicht offen aussprechen, dass Griechenland pleite ist und wir die Deutschen kein Geld mehr zahlen?

Politikkohärenz

Zunächst allgemein. Im Prinzip würde man sagen ja. Aber eigentlich
nur, wenn es Teil einer kohärenten Politik ist. Ansonsten sind solche Aussagen  nicht sehr fundiert und erscheinen augenblicksbezogen.

Angstauslöser

In schwierigen Situationen ist jedes falsche Wort leider Öl  aufs Feuer. Auf und um die Finanzmärkte herrscht eigentlich eine widersprüchliche, irrationale Situation. Auf der einen Seite sind die größten  Verletzungen moralischer Maßstäbe zu beobachten, auf der anderen Seite ist das  Vertrauen der Akteure untereinander wichtig. Extreme liegen nahe beieinander.  Optimismus und Pessimismus bei Börsenwellen. Gewaltige Risiken und hochschnellende Angst. Freundschaft und Erpressung. Deswegen wird auch viel von  der berühmten Nervosität gesprochen. Unter diesem Aspekt löst jede Aussage im  Sinne eines Stopps für Griechenland letztlich die unterbewußte Besorgnis aus:  Würde Deutschland mit dieser Konsequenz vielleicht auch mal die Bedienung seiner eigenen Schulden verweigern? Ist mein Geld  dort gut aufgehoben. Die Schulden der Deutschen sind ja auch sehr  hoch.

Bleistift-Beispiel

Das Zusammenspiel der modernen sozialen Systeme im weitesten Sinne Finanzsystem, politisches System, Handels- und  Produktionssystem kann man  mit einem Bleistift vergleichen, der dank ausgeklügelter Technik und  Zusammenarbeit der Akteure auf seiner Spitze steht. Das System kippt leicht ähnlich auch wie beim Mikado-Spiel.

Angstzyklus

Interessanterweise ist das Ganze aber noch komplizierter.  Die cleversten Finanzinstitute haben nach einer gewissen Zeit in der Krise irgendwann ihr Geld in Sicherheit, warten auf den Konkurs, um dann wieder einzusteigen.

Frage: Reden wir nicht eine Krise herbei?

So sagt Arbeitgeberpräsident Hundt in einem Interview der  Wirtschaftswoche online vom 10. September: „Ich warne davor, einen Absturz  der Konjunktur oder gar eine Rezession herbeizureden! In Deutschland besteht  eine gewisse Lust, negative Szenarien an die Wand zu malen. In der  Realwirtschaft gibt es keine Anzeichen dafür, dass wir in eine neue Rezession  rutschen. Wenn Europa die Staatsverschuldung in den Griff bekommt, werden wir  längerfristig eine positive Entwicklung haben.“

Modernes Stimmengewirr und Stimme, die richtungsweisend ist.

Es ist ein Zeichen unserer Zeit, dass es viele Stimmen gibt.  Und negative Botschaften tun sich immer besser als positive, so paradox das  klingt. Ich vermeide jetzt den Ausdruck „Führer“, die Amerikaner und  Engländer sprechen ganz unbefangen von Leadership. Es fehlt gerade in  Deutschland eine Leader-Stimme. Deren Aufgabe wäre es, objektive Probleme glasklar, wir sagen gerne ungeschminkt oder knallhart zu formulieren. Und im  Sinne einer positiven politischen Leadership richtungsweisende, über den Tag  hinausgehende und uns mitreißende, historische Perspektiven zu liefern.  Vielleicht aus historischen Gründen ist hier bei uns ein Defizit. Wir sind  jetzt weniger ein Volk mit Lust am Untergang, sondern mit Lust am Ausblenden  und vielleicht der kurzfristigen Kraftmeierei.

Systemstimmen

Ohne hier das Thema zu vertiefen – nur ein paar Bemerkungen.  Der innere Zusammenhalt der Gesellschaft geht verloren – was  näher zu untersuchen wäre. Die These ist  hier, dass das ganze menschliche Geflecht, das viel zu oft Gesellschaft genannt  wird, sich in separate, getrennt laufende Systeme entwickelt. Realsystem als ein hocheffizientes System von Unternehmen, mit Managerschichten, die weltweit vernetzt sind,  Finanzsystem, das in weiten Teilen nationale Kategorien überhaupt nicht mehr  kennt, politisches System, das seine von den Bürgern teilweise völlig separaten  Wege geht: Andere Versorgungssysteme, anderes Sozialsystem, anderes Krankenkassensystem,  Privatversicherungsystem, gesetzliches System. Und jede Stimme des Systems spricht für ihr System und interpretiert die Lage anders.

Innerhalb einer Gemeinde Systemteilung der Welt

Auch wenn wir jetzt von Krise reden, BMW beispielsweise  kennt keine Krise. Wohl aber die Gemeinde XY, in der kein BMW-Werk steht oder in der Nähe ist. Damit berühren wir das politische und soziale Umfeld um uns,  das in gewisseer Weise schwankend wird oder gar zerfällt. Hier ist Krise für  viele Menschen. In der Gemeinde XZ hat aber vielleicht eine Firma ihren Sitz,  die über das Internet ihre Maschinen im Zweigwerk in China zur Herstellung von  hochwertigen Präzisionsbauteilen steuert. Ich nenne das die „neue Systemteilung“ der Welt. Da haben sie den chinesisch sprechenden Experten, der abends am Dauerarbeitslosen vorbeifährt. Altes trennt sich und Neues bindet  sich.

Systemstimme 2

Jetzt verstehen wir den Arbeitgeberpräsidenten. Er spricht  sein System an und möchte, dass wir seine Stimme vor allem hören, dann vergessen  wir wieder die Staatsschulden (er erwähnt sie immerhin), sagen, Hauptsache es läuft bei uns gut. Was  scheren mich die Griechen!

Das eigentliche Problem einer lauten richtungsweisenden,
politischen Stimme

Damit verstehen wir auch, worin das heutige demokratische Problem der Formulierung einer Richtung, der Wortfindung für eine politische Simme besteht. Einen  einheitlichen, überzeugenden Rahmen für auseinanderstrebende geistige und soziale Systeme zu finden, für Manager, die sich nicht mehr als Deutsche fühlen, für Deutsche, die Manager hassen, für Arbeitslose, die sich vom Leben betrogen fühlen. Deutschland ist ein wirtschaftlicher Riese, aber politisch  sind wir nicht weit genug.

Obama und der Schwarze Peter

Deswegen ermahnte Präsident Obama die Europäer zu verstärkten Anstrengungen in der Schuldenkrise. Aber auch hier zeigt sich das Problem der Unmöglichkeit einer Richtungsweisung. Denn schon kamen die Stimmen zum amerikanischen Defizit, das ja viel höher sei.

Frage: Nullwelt oder Abwärtswelt – wie sieht sie aus?
Konkreter!

Wachstum wird ein knappes Gut

Wachstum wird ein knappes Gut. Wir werden ein neues Wort für diese Welt finden müssen. Nullwelt oder Abwärtswelt. Eine harte aber wahrscheinliche Wahrheit. Aus zwei Gründen:

  • Immer-Wachstum gibt es nicht in der Natur.
  • Zweitens: es findet ein globaler Ausgleich insbesondere mit Asien statt.

In diesem Zusammenhang die Prognose des Prognos-Instituts in Basel

Nach dem „Deutschland-Report“ des  Prognos-Instituts muß sich Deutschland auf ein durchschnittliches jährliches Wachstum von 1 Prozent bis zum Jahr 2035 einstellen.

Niedrig-Zinsen

Die Zinsen bleiben niedrig: Mehrere Erklärungen:

  • Weil das Wachstum niedrig ist; Umgekehrt signalisieren die niedrigen Zinsen zukünftig schwaches Wachstum, wenn überhaupt.
  •  Niedrige  Zinsen, weil die nun geringeren realen Erträge der müden Volkswirtschaften für die riesige Masse von  Anleihen und Geldvermögen nur noch geringere Volumen an Zinszahlungen überhaupt erwirtschaften können – ohne soziale Konflikte hervorzurufen.
  • Die  Notenbanken/Staat wollen niedrige Zinsen, um Wachstum zu erzeugen (fast nicht möglich) und den Zinssatz unterhalb einer ebenfalls schwachen Inflationsrate zu halten, um die Schulden real abzuwerten.

„Financial Repression“

Dramatische Folgen für die privaten Lebensversicherungen  sind zu erwarten.. Die Versicherungsbranche wird auf Dauer füchterlich darunter  leiden. Wie will sie die derzeitige Durchschnittsverzinsung von 4 Prozent in  Zukunft halten? Ziemlich unmöglich. Bill Gross, ein Allianz-Manager aus Amerika  spricht von „Financial Repression“. Altersvorsorge mit „kaum“ Zinsen  und  25 Prozent Kapitalertragsteuer und  Solidaritätsabschlag, Altersvorsorge heißt bald einen Plan zu entwerfen für  gezielten Substanzabbau.

Japan Modell

Die Null-Welt erinnert an die japanische Dauerrezession seit  den 1990er Jahren. Das fundamentale Prinzip heißt Staatsschulden und faule  Kredite der Banken einfrieren.

Inflation oder Deflation?

Inflation oder Deflation? Es gab einmal die sog.  Stagflation, d.h. Inflation bei Stagnation des Wachstums. Die Schuldner hätten das gerne, da dann der reale Wert ihrer Schulden sinkt. Wahrscheinlich ist  eine  Periode schwach steigender, bisweilen vielleicht fallender Preise aufgrund der starken Konkurrenzsituation  durch China. Dennoch wird die Geldpolitik es versuchen, die Inflation über dem  Zinssatz zu halten – um den realen Wert der Staatsschulden abzubauen. Aber alles sehr moderate Spielchen um die Nulllinie.

Kapitalauswanderung

Das Kapital wandert aus aus, wo es höhere Zinsen vorfindet  und beschleunigt dort das Wachstum. Es geht nach Asien und Südamerika, vielleicht nach Afrika.

Erträge der Banken sinken

Die Erträge der Banken werden sinken. Ab einem Durchschnitt von 132700 Euro Gehalt wird es sogar eng für Mitarbeiter der Deutschen Bank. Weitere dramatische Veränderungen im Bankensektor sind zu erwarten.

Aktienindizes werden weiter sinken

Dann geht eine Situation zu Ende, zu deren Höhepunkt der Anteil der Bankgewinne am Gesamtgewinn des Dow Jones in der Spitze bis zu 40  Prozent erreichte. Die Aktien werden also erst einmal fallen. Es gibt zwar  immer noch Optimisten im Markt, aber sie gehen sehr selektiv vor.  (Hier gab es eine interessante Diskussion mit dem Publikum. Aktien sind auch etwas Reales. Insofern hat das Publikum recht, dass Aktien nicht ewig fallen können).

Wechselkurse

Die Schweiz koppelt den Schweizer Franken an den Euro seit kurzem. Der Yuan ist an den Dollar gebunden. Es ist zu erwarten, dass weitere Währungen, die im Zentrum von Aufwärtsspekulationen stehen werden, sich gegen  solche Aufwertungen wehren werden. Vielleicht kommen wir über diesen Weg zu  einem neuen System quasi fester Wechselkurse, wer weiss, zu einem neuen  Weltwährungssystem.

Realien steigen

Das Jim-Rogers Argument: Wer Geld druckt, stärkt nicht das Wachstum, aber läßt die Realien steigen wie Gold, Edelmetalle, Rohstoffe ganz  allgemein, vielleicht auch Immobilien. Psychologie mit paradoxer Auswirkung:  Inflationsangst in der Deflation, Angst vor Notenpresse zur Ankurbelung der  Konjunktur durch den Staat, Alternative Geldanlagen mit höheren Erträgen  fehlen, daher erscheint Immobilie gleichwertig und sogar interessant wegen  möglicher Wertsteigerung. In der Nullwelt wird der Absatz von Rolls-Royce steigen. (Und wie die interessante Diskussion mit dem ausgezeichneten Publikum ergibt, Aktien sind auch grundsätzlich Anteilsscheine an realen Werten)

Aktien fallen

Es geht eine Situation zu Ende, an deren Höhepunkt der Anteil der Bankgewinne am Gesamtgewinn des Dow Jones in  der Spitze 40 Prozent erreichte. Zugleich  geht das Wachstum zurück oder wird negativ. Es gibt zwar immer noch Optimisten  im Markt, aber  alles wird eine Frage  des sogenannten stock-pickings werden.

Tagesgeld

Tagesgeld bringt irgendwann keine Zinsen mehr oder wird negativ belastet, da die Bank dafür Sicherheit hinterlegen muß, die ihrerseits Kosten darstellen. Nur die interessanten Kunden werden Minimalzinsen erhalten.

Neue Teilung der Chancen, neuer Schattenbereich

Die zunehmende Regulierung der Banken wird dazu führen, dass das riskante, aber ertragreiche Geschäft mit Geld sich aus dem offiziellen  regulierten Markt zurückzieht. Es entsteht ein eigener bankähnlicher  Schattenbereich, der kräftiger expandieren wird als sein reguliertes Pendant.  Die Teilung in Vermögende und Masse wird weiter anhalten und sich verstärken.  Bestimmte, aktuelle Warnungen sogar seitens des Internationalen Währungsfonds  gehen in diese Richtung.

Wettlauf um Exporte und Wachstum

Digitalisierung, Reindustrialisierung, Förderung der Exportwirtschaft und zahlreiche andere Szenarien prägen die ökonomische  Nullwelt.

Frage: Drohen nicht weitere Gefahren aus der Nullwelt? Ist
sie stabil?

Eine Null-Welt kann im Prinzip nicht stabil sein. Es gilt immer der Grundsatz: Hausse nährt die Hausse, Baisse nährt die Baisse. Die einzige Chance besteht darin, dass der moderne Mensch sich in die bekannten sozialen Trends wie Coocooning, Sorge um den eigenen Lebensbereich, Kultur, Lokalität etc. zurückzieht und damit die Schwankungen durch sein persönliches Verhalten nicht verstärkt.

Abwärtsspirale oder Ende eines Schneeballsystems

Für die Länder, die mit öffentlichen Schulden sich rumplagen, entsteht bei der Refinanzierung der Staatsschulden die große Gefahr eines Circulus vitiosus, einer Abwärtsspirale. Senkung der öffentlichen Ausgaben, um die Haushalte zu sanieren, verringert das Wachstum oder löst eine Rezession aus. Dann steigt die Zinslast am BIP höher selbst bei konstanten Zinsen.

Dominoeffekte

Einer reißt den anderen in den Strudel. Typisches Thema an  den Börsen, typisches Thema bei den Staatsschulden. Griechenland reißt Spanien,  Portugal oder Italien mit runter.

Abwertungsversuche

Unzufriedenheit wird bei vielen Ländern herrschen über zuviel Kapitalzufluss, der ihre Wechselkurse steigen läßt – und damit ihre Exporte verteuert. Kapitalverkehrskontrollen sind in letzter Instanz denkbar und nicht unwahrscheinlich.

Asymmetrien

Die Ungleichgewichte zwischen den Gelderfahrenen und  Geldunwissenden werden größer – mit allen Folgen.

Geheimnisse-offene (und verdeckte)

Das Geschilderte enthält einige offene und versteckte  Geheimnisse. Lassen sie mich kurz etwas hinter den Schleier dieser  Entwicklungen schauen.

Der Euro, Demokratiedefizit auf EU-Ebene

Der Euro hat wie gesagt einen Bonitäts-Aufschwung für ehemalige Schwachwährungsländer mitgebracht. Die PIIGS-Staaten (Portugal, Irland, Italien, Griechenland, Spanien) konnten sich  verschulden wie zuvor. Und die heutigen Probleme für uns verursachen. Es war  abzusehen und es konnte auf EU-Ebene zumindest nicht unbemerkt bleiben, dass da  etwas völlig schief läuft. Wo waren die Warnungen?  Auf EU-Ebene insbesondere auf Ebene von Eurostat, dem  statistischen Amt der EU hätte der Prozess der zunehmenden Verschuldung alle  Alarmglocken ertönen lassen müssen. Was ist zu hören gewesen? Nichts. Es tut  sich leider der Verdacht auf, dass man es so lange wie möglich verschwieg.

Demokratiedefizit nationaler Parlamente

Im gesamten Prozess der staatlichen Schuldenexpansion der  letzten Jahrzehnte hat die Kontrolle der Budgetplanungen durch Parlamente krass  versagt. TV-Redeschlachten mit witzigen Bemerkungen oder strammen Reden haben uns abgelenkt, weil man das Volk kannte. Bei uns und anderswo in den westlichen  Demokratien. Wir beschließen Schuldenbremsen jetzt. Vor dreißig Jahren wäre  dies an der Tagesordnung gewesen.

Bürgerliches Defizit

Letztlich hat die Kontrolle durch uns selbst versagt. Das  allgemeine Wahlrecht beeinhaltet auch eine Verantwortung. Solange diese nicht wahrgenommen wird, nutzen andere diesen Spielraum, was für uns auf jeden Fall persönliche negative Folgen hat.

Menschliche Kurzsichtigkeit oder Faustische Dummheit

Hören wir mal was Goethe 1832 in Faust II schrieb, als Mephisto dem Kaiser, der Geld braucht, folgendes anbietet:

„Ein solch
Papier, an Gold und Perlen Statt,

Ist so bequem, man
weiß doch was man hat;“

Warnt aber;

„Machst
frevelhaft am Ende neue Schulden“

Das Volk denkt nicht nach, woher das Geld kommt:

„Nun geht’s von
da zum Fleischer, Bäcker, Schenken;

Die halbe Welt
scheint nur an Schmaus zu denken,

Wenn sich die andre
neu in Kleidern bläht.

Der Krämer schneidet
aus, der Schneider näht.

Bei „Hoch dem
Kaiser!“ sprudelt’s in den Kellern,“

Der Menschkenner Goethe hat hier wahrscheinlich die  Finanzkrise längst erahnt.

Das moderne Geld und die Verteilung

Unsere statistischen Ämter geben Pressemeldungen über die  Altersverteilung der Menschen, die im letzten Jahr durch Ertrinken gestorben  sind. Aber die Reichtumsverteilung durch das moderne Geld wäre doch das sozial interessantere Thema. Wenn vereinzelte Studien das Thema untersuchen, wie sich  das Wirtschaftswachstum der letzten dreißig Jahre im Wohlstand der Menschen,  d.h. in der Verteilung von Einkommen und Vermögen niedergeschlagen hat, stößt  man auf das vielleicht größte Geheimnis der globalen Expansion. Der Zuwachs  ging vor allem auf die oberen zehn Prozent und hier wiederum auf die Reichsten. Das wird normalerweise einfach einem sogenannten  Kapitalismus zugeschrieben. Möglicherweise ist die Ursache komplizierter und schwieriger zu ermitteln.  Das moderne Geldsystem ist gerade aus einem sozusagen vereinfacht gesprochen antikapitalistischen Reflex entstanden, dem Staat die Kontrolle über die Kontrolle über das Geld zu geben, es aus den Fesseln von gierigen Banken und dem Zwang des Goldes zu befreien. Hierfür steht zum Beispiel der amerikanische  Präsident Franklin Delano Roosevelt. Oder man hat das substanzlose Papiergeld  als das höchste  Kulturprodukt einer sich Formen gebenden Gesellschaft verstanden wie der deutsche Philosoph Gottfried Simmel in seiner wortreichen, lesenswerten, aber betrüblich verherrlichenden „Philosophie des  Geldes“. Man hat nicht beachtet, was wir eben gesehen haben. Wie das Geld verlockt. Und noch schlimmer, wie Technik (Börsentechnik,  Hochgeschwindigkeits-Aktienhandel) und Wissenschaft und Intelligenz gerade im neuen Geld ihre ideale Basis für Geldvermehrung und Reichtum durch das Geld selbst finden.

Es ist ein riesiger Irrtum anzunehmen, dass eine geldpolitische Maßnahme der Zentralbank oder eine fiskalische Maßnahme des Staates einmal ergriffen damit abgeschlossen ist. Es ist doch klar, dass diejenigen, die Banken und private Investoren, die eben Erfahrung haben, die nun entstehende Liquidität am besten verwerten und in ihre Kanäle lenken. Die Ungerechtigkeit der Verteilung ist damit vorprogrammiert. Nicht nur weil Banken  sich zu 0,5 Prozent Geld bei der EZB leihen können und zu 3, 4, 10 Prozent  verleihen.

Das Thema ist leider viel grundsätzlicherer Art. Unsere  Gesellschaft war in der Masse auf das Geld, was da kam, nicht vorbereitet. Und die wenigen, die das Geld kannten, wußten, was zu tun ist. Zu hinterfragen ist unsere Bildung, unsere Religion mit ihrer tief verwurzelten Ablehnung des  Gelds,  wie gesagt unsere Statistik etc.

Das Evangelium des Matthäus 22: sagt: „So gebet dem  Kaiser, was des Kaisers ist, und Gott, was Gottes ist.“ In einer modernen  Demokratie kann man diese Worte auch als Forderung zur Überprüfung dessen verstehen, was des Kaisers „ist“, d.h. ihm zusteht oder nicht. Und es müßte überprüft, wie der Zinsgroschen der Bibel überhaupt geldmäßig
funktioniert.

Politische Kurzsichtigkeit oder Kraftmeiertum oder  Kirchtumsblick

Wir stoßen hier auf eine strukturelle Kurzsichtigkeit, genauso wie beim Thema Exportweltmeister. D.h. doch: Unserem Überschuß muß ein Defizit woanders entsprechen und damit prinzipiell ein ökonomisches  Ungleichgewicht. Wir alle neigen zu einem gewissen Stolz, insbesondere wenn Politiker sich damit Lorbeeren aufsetzen, die normalerweise die Unternehmen und  ihre Arbeitnehmer verdienen. Aber andere sehen das anders. Zitat vom 9.9.2011: „Das EU-Parlament beharrt allerdings noch darauf, dass Staaten wie Deutschland verpflichtet werden, etwas gegen ihren Leistungsbilanz- überschuss zu  unternehmen.“. Wir werden schon als die Chinesen Europas bezeichnet.  Diejenigen, die nach Griechenland teuere SUVs von BMW, AUDI oder Mercedes an  die  Steuerhinterzieher liefern. Und auch teure U-Boote.

Die westliche Welt

Das moderne Geld aus Schulden und Ungleichgewicht wird, wenn keine Änderungen erfolgen, den USA und vielleicht auch uns zum Verhängnis. Es muß Rendite suchen, wird von FED und US-Bundesstaat im großen Stil erzeugt und wird von den Empfängern dann sofort nach Asien transferiert, um am asiatischen Boom zu  partizipieren. Der Altersvorsorge-Fonds der kalifornischen Lehrer erhebt von den durch Steuerbeiträge finanzierten Lehrern die monatlichen Prämien und investiert das Geld in China, um hohe Renditen zu erwirtschaften. Amerikanische  Steuergelder für China. Auch hier wird es zur Krise kommen. Aber USA ist auch hier bei uns.

Das offene Geheimnis

Das Schlimmste wäre jedoch, dass alles, was wir hier aufführen an möglichen Gründen für die heutige Situation, jenen, die gewählt oder nicht gewählt an den Schalthebeln des Systems sitzen, alles, alles schon bekannt ist. Dass wir nur entdecken, was andere schon längst wissen. Dann wäre die Krise nur der Schlußpunkt unter eine Strategie der Verschleierung und Schlendrians und ermöglicht endlich den Blick hinter den Schleier.

Zusammenfassung

Mit Staatsdefizit, Euro und übermäßiger privater Verschuldung kommen wichtige monetäre Wachstumstreiber zum Erliegen, sicherlich  nicht die einzigen (Technischer Fortschritt, Arbeitsproduktivität), aber  diejenigen, die am leichtesten zu beeinflussen sind. Die Folgen werden enorm sein.

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