Kalenderwoche 48: Welt-Perspektive.

In Europa laufen die Dinge aus dem Ruder. In der letzten Woche hat das Meeting  Merkel, Sarkozy und Monti nicht gereicht, um die Schuldenkrise zu dämpfen. Belgien wird von AA+ au AA herabgestuft, Italien muß sechs-Monate-Schatzwechsel zu über 6 Prozent Zinsen abgeben und Deutschland bleibt auf einem Teil seiner 10-Jahres-Anleihen zu 1,98 Prozent sitzen. Die Krise kommt auf die Kernländer zu. Neue Finanzierungsmodelle tauchen wie Erlkönige gerade immer über das Wochenende auf: Cross-Finanzierung EZB-IWF-Italien oder höhere Garantiequoten durch die EFSF, die auf ihren Angeboten offenbar sitzen bleibt.

Der Euro fiel auf 1,3242 zum USD, was aber nicht überinterpretiert werden soll wie überhaupt alle Bewegungen von Devisenkursen, da zum Beispiel seit Anfang des Jahres ein Abkommen unter den G7-Ländern besteht, die Devisenmärkte zu überwachen und notfalls einzugreifen (siehe auch unseren Rückblick auf 2011). Wundern Sie sich also nicht, wenn mitten in der europäischen Schuldenkrise der Euro steigt. Und wundern Sie sich nicht:  Dollar und Euro werden jeder für sich als Untergangswährung gehandelt. Mal steigt die eine zum Untergang geweihte Währung, mal die andere.

In den USA shoppten laut Verbände die Leute wie verrückt am sog. Black Friday letzter Woche, jenem famosen Tag, von dem nun an die Einzelhändler für das Jahr schwarze Zahlen schreiben, weil die stärkste Umsatzperiode des Jahres anläuft. Wie gut haben sich welche Verbraucherschichten im Konsumrausch gefühlt, wird aber nicht gesagt. Der S&P fiel in der vergangenen Woche um über 4 Prozent und legte das schlechteste Ergebnis für eine Erntedankfest-Woche seit 1932 hin. 1932: Am 8. Juli 1932 notierte der Dow Jones bei 41 Zählern (noch weit unter seinem Tiefststand in 1921 von damals knapp 64), hatte somit innerhalb der letzten drei Jahre damals 89 Prozent an Wert (381,17 am 3. September 1929) eingebüßt. Alles was Papier war und ist, ist eben relativ. Papiergewinne, Papierverluste. Dollar und Euro. In den USA verging die Woche zudem ohne Einigung der Parteien über die doch so erforderlichen fiskalpolitischen Entscheidungen in den USA. Wenn das keine Krise ist. Gibt es überhaupt eine Schuldenkrise in Europa oder nicht auch in den USA? Das würde aber heißen: Wir haben mehr als eine einfache Schuldenkrise, sondern eine Krise des Umgangs mit der Krise. Und wenn es so weiter geht eine Geldkrise. Was niemand bisher sich auszusprechen wagt. Wundern Sie sich auch nicht, wenn mitten in der Krise die Aktien steigen. Weil das das Geheimnis ist.

Es ist überhaupt erstaunlich, wie unterschiedlich die Maßstäbe sind. Es werden zuviel Schulden gemacht. Und es werden Empfehlungen ausgegeben, noch mehr auszugeben und ja nicht zu sparen, weil das die Konjunktur abwürgt. Wo ist das Gegenstück zu den vielen Plänen der zusätzlichen Geldbeschaffung? Ideen für Reformen? Beides muß parallel angepackt werden. Sonst ist Schluß irgendwann. Denkt man. Aber wer einfach darauf nur wartet, liegt auch nicht gerade richtig. Weil die Akteure sich ständig etwas Neues einfallen lassen. Und weil der Prozess, der zum Schluss. also bis zum nächsten Plop führt, ein unendlicher langsamer und komplizierter ist. Es existiert inzwischen eine völlig andere Denkweise auf mikroökonomischer Ebene von Privathaushalt und Unternehmen einerseits und andererseits ab kleinster Stadtverwaltung aufwärts. Wie kommt es zu dieser Divergenz zwischen einzelwirtschaftlicher und staatlicher/makroökonomischer Perspektive und Verhaltensregel? Das müßte geklärt werden.

Ehe wir es vergessen: Weil die letzte Woche so schlecht an den Märkten gelaufen ist, wird man sie zu Wochenbeginn erst einmal hoch setzen.

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