Staatsanleihen Italien: Die Laufzeiten das zweite Krisenmoment.

Mit einer Verschlechterung der Bonität Italiens steigen nicht nur die Zinsen, sondern wirkt sich dies auch ökonomisch über eine Verkürzung der Laufzeiten der Anleihen im Rahmen neu anlaufender Auktionen aus. Der Druck auf die Laufzeiten kommt von zwei Seiten. Der Schuldner (Italien) hofft, durch kürzere Laufzeiten seine Schulden zu günstigeren Zinsen abzusetzen. Zinsen erhöhen sich bekanntlich mit steigender Laufzeit und sinken dementsprechend mit kürzerer Laufzeit. Die Gläubiger (internationale Finanzinvestoren) scheuen dagegen, sich länger zu exponieren. Eine andere ökonomische Wahrheit: Mit erhöhter Bonität kann sich der Schulder längerfristiger finanzieren.  Das heißt für Schulden: Mit längerer Laufzeit können die Staaten sich verstärkt über Anleihen anstelle kurzfristiger Kredite finanzieren, was die Planbarkeit des Haushaltes (und leider der Schuldenerhöhung) verbessert.

Das folgende Diagramm zeigt deutlich, wie der Euro und die Beteiligung Italiens an der geplanten Währungsunion die Finanzierungskraft Italiens  gestärkt hat. Bei sinkenden Zinsen (früherer Beitrag) steigen die durchschnittlichen Laufzeiten für Italiens Staatsanleihen. Unser Chart zeigt die gesamte Staatsschuld (die nicht nur aus Anleihen im engere Sinn bestehen muß) für die Jahrzehnte vor Einführung des Euro.

Steigende Laufzeiten für die staatlichen Schulden von Italien.

Dieser Effekt hielt mit dem Euro an, wie das folgende Chart des italienischen Tresoro zeigt.

Steigende Laufzeiten italienischer Staatsschulden (Quelle Tresoro).

Das Fatale an der jetzt ansetzenden Bewegung ist: Die Spitze der Laufzeiten ist sicherlich erreicht, die Laufzeiten werden sich verkürzen. Und zugleich werden die Zinsen steigen! Was nichts anderes wie in der allgemeinen Ökonomie heißt: Bei Absatzrückgang geht meistens der Preis runter. Wenn nicht ein neues Produkt oder verbessertes Produkt folgt (Welche Möglichkeiten bei den Staatsanleihen? Vielleicht wenn das Haushaltsdefizit sinken würde). Ein ehemaliger Goldman-Sachs und ehemaliger EU-Kommissar (Mario Monti)  in einem sind da vielleicht nicht genug. Italien konnte letzte Woche Sechs-Monats-Schuldtitel nur zu 6,504 Prozent absetzen. Zweijähige Schuldtitel rentieren  7,68 Prozent effektiv (Rekord seit Jahrzehnten).

Als Drittes kommt das allgemeine psychologische Phänomen der Abwärtsspirale mit ihren Effekten der Selbstverstärkung hinzu. Jede mäßig verlaufende Auktion von Staatsanleihen verschlechtert die Vorgaben für die nächste Anleihe. Der Emittent wird unsicher, die Käufer pokern stärker und wollen es noch günstiger haben. Fehlen nur noch die Rating-Agenturen. Die Staatsanleihen Italiens kommen damit unter Druck durch steigende Zinsen, kürzere Laufzeiten und durch ökonomische Gesetze.

Verstärkte Privatisierungen Italiens werden vielleicht angesagt. Da damit Staatsvermögen privatisert wird (bereits von Steuerzahlern im Übrigen bezahlt), entfallen zwangsläufig auch mögliche Einnahmequellen des Staates in der Zukunft. Die Privatisierung ist ökonomisch nur eine Veräußerung des Barwertes eines möglichen zukünftigen Einnahmestromes. Auch nicht die beste Lösung.

Bei soviel Ökonomie fragen wir uns etwas anderes: Wie würde die derzeitige italienische Gesamtsumme von Staatsanleihen und sonstigen Schulden, also unsere Staatsschuld wohl in den damaligen Lira lauten? Der Kurs zum Euro betrug beim Euro Beitritt Italiens 1936,27 Lira für einen Euro. Die sich ergebende Zahl für die Staatsschulden von Italien lautet: 3.568.574.654.050.000 Lira zum 1. Oktober 2011. Ehe wir uns mit Quadrillionen und sonstigem beschäftigen, gehen wir den Weg des praktischen Italiens, das die Zahl etwas aufrundet und zum Beispiel sagen könnte. „Es sind 3 Milliarden 568 Millionen 574 Tausend Millionen .“ Immerhin eine Möglichkeit. Oder 3 Millionen 568 574 Millionen Milliarden. Man nehme, was eben besser klingt. Übrigens ähnlich gingen die  offiziellen Statistiken Italiens seinerzeit auch so vor (bei erheblich geringeren Staatsschulden):

Milliarden (amount billion Liras) Millionen (2.134.360)  in der italienischen Statistik. Die englische Billion ist unsere Milliarde.

Im Bild wird die Englisch-amerikanische Dezimal-Notation verwendet, bei der Kommas und Punkt im Vergleich zu kontinentaler Notation vertauscht sind. Schon damals war der interessante Finanzmarkt jenseits über dem Meer im Norden. Steigende Zinsen, verkürzte Laufzeiten, Abwärtsspirale summieren sich irgendwann zu einer unheilvollen Welle. Italien hat das Ende der Möglichkeiten auf der Einnahmenseite entdeckt. Es muß jetzt an die Ausgaben ran. Wer wird die Last tragen? Und eine weitere Bemerkung: Ist es nicht Zeit für eine einheitliche Sprache in Europa. Hier macht doch jeder, was er will.

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