Geld – Quo Vadis (Essay lang)

Vorbemerkung: Nachstehend eine Materialsammlung für einen Essay über Geld als Grundlage für ein Referat bei der VHS-Ratingen am Dienstag, den 21. März 2017. Das Referat selbst wird, mit Charts, Zahlen  und Bildern unterlegt, eine Kurzform der darin enthaltenen Gedanken sein. Die Materialsammlung behandelt das Thema Geld aus verschiedenen, immer neuen Blickwinkeln in seiner Eigenschaft als Konstrukt im Zusammenspiel von  Staat, Politik und Wirtschaft und Bürger. Dabei wird der Schwerpunkt auf den Euro gesetzt. Der Essay wird später in einer Kurzform veröffentlicht.

Hier eine Gliederungsübersicht der angesprochenen Punkte:

Fragestellung
Die Veränderungen
Was ist Geld? Was war das Problem?
Geld als Versuchung
Geldtypen
Geldhoheit
Geldakzeptanz
Erster Ausblick
Fiat Money. 
Geldschöpfung durch Schulden
Geld ist nicht knapp
Ein-Mal-Eins der Kriegswirtschaften ( Exkurs)
Die Globalisierung ab den 1970ern
Momentum  Eins: Globalisierung der Petrodollars
Momentum  Zwei: Globalisierung  USA + China
Exkurs über deutsche Lieblinge: Exporte und Realwirtschaft
Momentum  Drei Der Dollar
Exkurs über deutsche Lieblinge:  „Starke Mark“
Exkurs über Trump
Trump und das Geld: Strategie „American Exit“
Differenzierungswirkungen des Geldes und der Globalisierung
Exkurs Globalisierung als Blaupause für den Euro
Die Dauerhaftigkeit einer Sache
Stabilitätsfrage 1 Aufbau und Krise
Stabilitätsfrage 2 Interpretation
Stabilitätsfrage 3 Speziell Euro
Chemie oder Alchemie?
Geld ist nicht  knapp, zum Zweiten
Geld zwischen Individuum und Welt
Die Felder der Betroffenheit
Staatsgeld
Knackpunkte
 „Money revisited“
Die großen Währungen
Das gemeinsame Problem: Schulden und daraus folgend Zinsen
Staat und Private im Kampf oder Spiel  um Geld
Das große Bild
Nochmal der Einbruch ausführlicher
Geld als Druckmittel
Buchhaltung
Der Euro und die Gefahren eines tragischen Kreislaufs
Das bekannte Gefälle: Nord-Süd
Ökonomische und soziale Divergenzen
Dagegen staatliche Homogenisierung
EZB
Totales Geld, Macht des Geldes, Macht des Volkes
Ein Kommentar
Helikoptergeld, CSPP und Aktienkäufe
Endstand
Transferunion
Staatsschulden auf Eis
Staatsbankrotte
Vertrauen
Exits
Brexit und andere
Parallelwährungen
Aktuelle Ideen
Renationalisierung der Währungen in Europa
Doppelter Euro
Neuer Goldstandard
Implosion im „Schwarzen Riesen“
Perspektiven, Bankensystem und modernes Geld

Fragestellung:

Geld quo vadis?  Wäre diese Frage im europäischen Mittelalter gestellt worden, würde sie auf  Unverständnis gestoßen sein. Was soll diese Frage? Vielleicht  hätten einige Menschen sie dahin gehend mit ihrer Sorge verbunden, ob wohl endlich die Zeit der Kipper und Wipper zu Ende sei oder wieder kehre, als der Gold oder Silbergehalt der Münzen von den Fürsten systematisch verschlechtert wurde. Und daher das Kippen und Wippen vielleicht einen Aufschluss über die Qualität der Münzen geben konnte.

Geld war ein sogenanntes Edelmetall. Es ist die europäische Zeit des Metallismus, wie Geldordnungen genannt werden, die auf einem oder zwei Edelmetallen basieren, Gold und Silber stellen die Basis für den sogenannten Bimetallismus dar. Gold und Silber als Geld entsprechen historisch gesehen dem urmenschlichen Bedürfnis nach Stabilität. Und in gewisser Weise nach Transparenz einer Sache. Bedingt durch die immer noch latent vorhandenen Inflationserfahrung der zwanziger Jahre und die vielen Brüche deutscher Geschichte sitzt gerade bei uns deutschen der Wunsch nach Sicherheit durch Golderwerb, in gewissem Maße auch von Silber sehr tief. Statistiken weisen die deutschen zusammen mit Indern und reichen Chinesen als Goldweltmeister aus.

Die Veränderungen

Warum ist man bei diesem so einfachen Prinzip nicht geblieben? Die Menschen einigen sich auf ein Objekt, das ihnen alle Garantie für Wert und Stabilität verspricht.

Einmal gab es zumindest ein Problem, das aber historisch nicht sehr gravierend war.
Das Angebot an Edelmetallen schwankte, ein zu wenig an Edelmetalle ließ die Preise fallen, ein zu viel steigen. Es handelt sich um ein eng umrissenes praktisches Problem, das aber eigentlich kaum bewusst war. Als die Spanier die Silberminen der südamerikanischen Stadt Potosi in den Anden  ausbeuteten, floss viel Silber direkt nach China ab, das wiederum wertvolles Porzellan exportierte. Einen Nachteil sah eigentlich niemand oder die wenigsten, immerhin wurde damals die Quantitätstheorie des Geldes entwickelt. Geld und Warenmenge stehen in einer Beziehung. Dennoch aus Königssicht: Viel Geld konnte eigentlich nur Vorteile bringen. Wenig Edelmetall regte die Suche nach neuen Vorkommen an, was wiederum auch die Fürsten mit solchen Vorkommen auf ihrem Territorium erfreute.

Auch ein Transportproblem gab es, zugleich aber kompensiert durch die Einführung von Banknoten und die Entwicklung erster Girosysteme. Der Transfer von Geld von Europa ins Heilige Land während der Kreuzzüge funktionierte auch, genauso wie die Araber geographisch weitreichende Transkationen kannten.

Was ist Geld? Was war das Problem?

Geschichtlich ist Geld nie eine rein ökonomische, d.h. politisch und staatlich neutrale Erscheinung geblieben, die nur etwa die Transaktionen der einzelnen Menschen als Wirtschaftssubjekte untereinander betreffen würde. Geld als Begriff für zwischenmenschliche Transaktionen zieht staatliche Einflussnahme an, sobald es in einem staatlichen oder politischen Herrschaftsbereich eingesetzt wird. Oder Herrschaft sieht das Potenzial von Geld.

China, das in unserer eurozentrischen Sicht der Dinge bislang viel zu kurz kommt, markiert den historischen Anfang eines Staatsgeldes. Um den bereits mehrere Jahrhunderte vor unserer Zeitrechnung in Angriff genommenen Bau der großen Kanäle Chinas überhaupt bewerkstelligen zu können, brauchte es den Transport großer Mengen an Nahrungsmitteln von Süden zu den Baustellen des Nordens. Zu diesem Zweck ließ der Staat gigantische Mengen an Kupfermünzen prägen –  für die dieses Geschäft übernehmenden Händler, für die  die Staatsbeamten eher Verachtung übrig hatten, die sie aber brauchten. Mit vielen Jahrhunderten Verspätung proklamiert dann ein deutscher Wissenschaftler Geld als ein Geschöpf des Staates (Kapp, 1905) und erzählte damit eigentlich eine Platitüde oder betrieb Ideologie.

Geld als Versuchung

Aber auch das staatliche Geld enttäuschte. Nochmal China. Die Chinesen wiederum brachten die ersten Noten in Umlauf, nicht als Banknote, sondern als staatliche Noten mit einem staatlichen Wertversprechen, das sich rasch als Illusion erwies, da zu viele von ihnen in Umlauf gebracht wurden.  Wie man heute sagen würde, das System crashte. Aber man sollte es zu Ende denken: Gab es danach nicht weitere Fälle?

Geldtypen

Betrachtet man die bisher angesprochenen Geldtypen,  so gab es das Warengeld und das rein staatliche Geld. Die moderne Entwicklung läuft im Westen und später weltweit dann in einer geschichtlichen Kette fortwährender Demetalliserung vereinfacht so ab: die Banknoten werden zuerst eins zu eins durch Gold gedeckt, dann zu einem immer kleineren Anteil, können später auch gar nicht mehr in Gold getauscht werden, Gold wird sogar eine Zeitlang als Privatbesitz verboten (USA, 1932) , Gold ist nur noch als Verrechnungsgröße zwischen Zentralbanken zum Beispiel im System des Internationalen Währungsfonds IWF, vorhanden. Im Euro verschwindet es ganz.

Geldhoheit

Es gibt das starke historische Leitmotiv:  Die Veränderung der Hoheit über das Geld. Waren es zuerst die Menschen selbst, die darüber entschieden, was ihnen für ihre Transaktionen als wertvoll und brauchbar erschien, d.h. über das Geld befanden, geht diese Autonomie rasch verloren , wenn sie in Verbänden leben. Geld heißt nicht nur Herrschaft der Banken, wie deutsche Befindlichkeit zu diesem Thema immer nur lautet. Die in Deutschland übliche Kritiken am USA System des als Zusammenschluss von lokalen, teilweise noch formell privaten Notenbanken im Federal Reserve-System, übersieht  gerade den große historischen Sprung von privatem zu staatlichem Geld, bzw. macht ihn zur Norm. Noch weiter geht der Euro: Er hat gar keinen Staat mehr, sondern nur Staaten mit immer größeren Divergenzen. Und er wird den Menschen vielleicht vorschreiben, welches Geld sie in welcher Form und welchen Beträgen verwenden dürfen.

Geldakzeptanz

Ferner zeigte sich: Funktionsfähiges Geld ohne eigenen Warenwert brauchte Vertrauen. Als das chinesische Papiergeld im Wert verfiel, etablierten sich wieder die Metalle. Münzen bestimmter Territorien hatten im Mittelalter mit einer geschätzten Zahl von 800 verschiedenen Münzen eine höhere Akzeptanz als andere. Wenn Geld sich vom Geld schließlich zum Geldsystem verändert, ist das dahinter stehende System maßgebend. Es entstehen schwankende Wechselkurse.

Erster Ausblick

Schon hier lassen sich Perspektiven erkennen, weil Trends sich fortschreiben. Die Staaten werden sich den Zugriff über das Geld nicht nehmen lassen, Metall als Grundlage stört sie nur. Andererseits wird damit der Herrschaftscharakter des Geldes offenkundig. Das staatliche Geld wird sich in Form einer Gegenreaktion  andererseits  immer der Suche nach herrschaftsfreiem Geld ausgesetzt sehen, mögen diese Varianten Gold oder Bitcoins heißen. Es kommt ferner zu einem unlösbaren und scheinbar ewigen Paradox: Ein eigentlich substanzloses Geld existiert gerade nur als totales Geld. Die Gültigkeit wird nur durch den Anspruch auf alleinige und monopolartige Gültigkeit erhalten.  „Fiat“, Latein „Es werde“ und Geld treffen sich zu dem Ausdruck „Fiat-Money“, wo schon der seltsame lateinische Anglizismus  die in sich die verschraubte, künstliche  Dogmatik dieses Geldes symbolisiert und eigentlich nicht so weit von dem Ausdruck „Kunstwährung“ für seine neuen Rivalen wie die „Bitcoins“  entfernt ist.

Und eigentlich liegen jetzt schon sehr wichtigste  Fragen und Schlussfolgerungen nahe: Wenn Geld im Prinzip nicht mehr absolut knapp, sondern vermehrbar ist, warum sollte es noch einen Zins geben? Insbesondere wenn das Duo Politik und  Staat Schulden machen können und aufgrund ihrer Geldhoheit das Geld beliebig, d.h. nach politischen Gesichtspunkten vermehren können. Das moderne Geld ist eine Zeit kontinuierlich fallender Zinsen bis zum Nullpunkt

Und wenn Staat und Politik die Geldhoheit besitzen , was hindert sie, Schulden zu machen und dennoch die Gläubiger schon heute dafür in Haft zu nehmen, d.h. die jetzige Generation mit ihren eigenen Schulden zu belasten. Niedrigzinsen, negative Zinsen und Inflationsziele belegen die Dummheit eines Satzes, dass die Schulden von heute die Generation von morgen belasten. Es kommt nur auf die politischen Umstände an. Diese Gedanken werden noch vertieft.

Fiat Money.

Die Französische Revolution mit ihren Assignaten, der amerikanische Greenback zur Entlohnung der Truppen der Nordstaaten, das emittierte Papiergeld lokaler Banken im eroberten Westen Amerikas zur Finanzierung der Claims der neuen Siedler und damit Enteignung der Ureinwohner markieren den oben charakterisierten Wechsel des Geldes und  machen jetzt das viel größere „Explosionspotenzial“ des modernen Fiat-Money deutlich. Geld ist nur noch eine leere formale Hülle des Anspruch auf Gültigkeit, die aber grenzenlos expandieren kann. Was heißt das? Heute und in Zukunft?

Geldschöpfung durch Schulden

Wie kommt neues Fiat-Geld zustande? Was ersetzt die bisherige, mühsame Suche nach Edelmetall in den Bergen oder in den Flussbetten? Auch hier die Frage nach dem Unterschied zwischen altem und neuem Geld.

Die Geldschöpfung geschieht in diesem System des entmetallisierten Geldes
durch Schulden oder aus anderer Sicht durch eine Kreditbeziehung, das Geldsystem  kann Schuldgeld oder Kreditgeld genannt werden. Hier nehmen wir den Begriff Schuldgeld. Was man in der Hand hält oder auf dem Konto hat, ist nur eine Zahl für einen Wert im Kreislauf, von dem man hoffen kann, dass er stabil bleibt. Die Bank vergibt einen Kredit und schafft Geld, der Staat verschuldet sich, sammelt damit Geld ein, um es sofort wieder in den Kreislauf zu pumpen, noch bis vor kurzem einschließlich Zinsen. In diesem System wirken die Banken als Verbindungsglied zwischen Staat, Zentralbank und privatem Sektor.

Geld ist nicht knapp

Diese Eigenschaft des modernen Geldes hinsichtlich seiner Schöpfung hat weitreichende Folgen, die uns allen in ihrer Tragweite immer noch nicht ganz bewusst sind. Potenzial und Problem dieser Schöpfungsgeschichte des Geldes liegen eng beieinander. Wenn dieses Geld durch Verschuldung entsteht, ist es, egal, ob  diese Verschuldung nun von privaten Wirtschaftssubjekten oder von Staaten ausgeht, einfach nicht mehr knapp. Schulden sind nicht absolut knapp, und damit auch das Geld nicht.

Ein-Mal-Eins der Kriegswirtschaften ( Exkurs)

Um das gefährliche Potenzial im Zusammenspiel von Geld und realer Welt zu verstehen, nur ein geschichtlicher Rückblick. Die Kriegswirtschaften wurden immer vom Finanzsystem beflügelt oder ermöglicht, Geld in Europa entstand nach einer Theorie als Entlohnung der Söldner der athenischen Phalangen in Form von Gold, das römische Feldherrengeld zur Entlohnung der Truppen aus den Schätzen der Besiegten blieb noch echtes Geld, eine erste Abweichung stellt bereits das englische Imperium dar, dessen Expansion durch eine Kombination von Staatsschulden und  ungebrochenes Vertrauen in das Pfund ermöglicht wurde. Die erwähnte Entstehung des Greenbacks im amerikanischen Bürgerkrieg (19. Jh.) war nur der Vorläufer für die viel größere militärische Wucht des Fiat-Money zur Finanzierung der späteren Weltkriege. Die Grenze lag hier noch in der vorausschauenden Machbarkeit von Schulden und ihrer Umsetzung in staatliche Ausgaben und reale Rüstung. Im Zeitalter des Metallgeldes brachte der gewonnene Krieg das Geld hervor, im Zeitalter von Fiat-Money bringt das Geld den Krieg.

Die Globalisierung ab den 1970ern

Der Exkurs über Krieg und Geld hatte den Vorteil, das Veränderungspotenzial darzustellen, wenn eine Geldwelle auf die Realwirtschaft trifft. Die Konstruktion des Bretton- Woods-Systems unmittelbar vor Ende des Zweiten Weltkrieges war sozusagen noch als ein ordentlicher multilateraler Staatsakt zur Schaffung eines kontrollierten internationalen Währungssystems anzusehen. Was aber ab Beginn der 1970er Jahre insbesondere von den USA in der Kombination von Washington und Wall Street eingeleitet wurde, sucht immer noch seine historische Parallele und war etwas ganz anderes. Und möglicherweise stehen dieses System und seine Dynamik auf dem Spiel. Es gab drei Bewegungen.

Momentum  Eins: Globalisierung der Petrodollars

In den 1970er Jahren explodierte in Folge der sog. „Ölkrise“ der Ölpreis, und es entstand ein riesiges, nur unter dem Schuldgeld mögliche Dollarschwemme in Richtung OPEC-Länder. Amerika als politisches und währungspolitisches Zentrum der Welt holte diese Gelder zurück in den Westen. Als Anlagegelder oder Anzahlungen für Panzer und Flugzeuge zur Stabilisierung der Herrschaft in den Ölländern.

Momentum  Zwei: Globalisierung  USA + China

Mit der beginnenden Kooperation der USA gegenüber China in Gefolge des Besuchs von US-Präsident Nixon und dem damals epochalen Treffen am 28. Februar 1972 mit den chinesischen Führern Mao-Tse-Tung und Tschu-En-Lai kommt es nicht nur zu einer politischen Wende der Beziehungen der USA und China. Es beginnt vielmehr die eigentliche Globalisierungswelle des 20. Jahrhunderts,  die heute noch anhält. Und die bei unserem Thema der Zukunft des Geldes eine exemplarische Bedeutung einnimmt. Was als erstes markantes Handelsdefizit  von Amerika gegenüber China begann, entpuppt sich heute rückblickend für viele, aber damals schon so angelegt als eine gigantische Gemeinschaftsaktion von fünf Akteuren,  von zwei politisch gänzlich verschiedenen Staatssystemen  USA und China, zweier im neuen entreglementierten Geldsystem synchron handelnder  Zentralbanken,  der Fed und der chinesischen  Zentralbank und eines fünften Partners, des amerikanischen Finanzsystems,  kurz Wall Street.

Das Schema, das viele klassische  Industriestandorte der USA verwüstete und im Gegenzug Industriezonen in China entstehen ließ, hängt unmittelbar mit dem neuen „nackten“ und von Zwängen freien Dollar zusammen. Aber nicht nur. Zwei Defizite werden von den USA losgetreten oder verstärkt:  Das Staatsdefizit und das Handelsdefizit,  die beide Dollars erzeugen, mit denen US-Importe bezahlt werden können, weil die dafür empfangenen Dollars von den chinesischen Exporteuren bei der chinesischen Zentralbank wieder eingereicht werden können. Das von der US-Fed und der Wall Street assistierte System wirkte so überzeugend, dass China mit seinen Dollarüberschüssen in großen Mengen die amerikanischen Schuldtitel kaufte und damit das Defizit des US-Staates finanzieren hilft und rein buchhalterisch das US-Handelsdefizit in der globalen Bilanz wieder ausgleicht. Das war und ist nur unter Schuldgeld möglich. Auch die Verwüstung der Industriestandorte in Amerika ist zwangslogisch. Wenn Amerika Güter in großen Massen importiert, die aktuell eben gebraucht werden, können sie in Amerika nicht mehr produziert werden. Deswegen ist die Idee des Freihandels nicht falsch. Aber sie wird dann verzerrt, wenn Wohlstandseffekte für die Konsumenten sich in nichts mehr als in billigeren Einkaufspreisen  bemerkbar machen. Und die Arbeitsplätze stattdessen verloren gehen. Wer weiß, ob China nicht ahnte, in welche Falle ihr Gegenüber laufen würde.

Exkurs über deutsche Lieblinge: Exporte und Realwirtschaft

(Vorbemerkung: Was jetzt kritisch über Deutschland geäußert wird, soll nicht verletzen und keine Häme sein, aber Illusionen, beim Namen genannt, klingen nun einmal unangenehm.)

Es lohnt sich an dieser Stelle, sich einige deutsche Illusionen vorzuknöpfen. Da ist einmal unser „Exportweltmeister“. Bedenkt man hier die ständigen stolzen Wiederholungen dieses Titels,  so wird deren naive Großspurigkeit deutlich, weil es nur der Dollar  und sein Defizit war, der die chinesische Kaufwelle für deutsche Autos in Gang setzte und das ganze Wunder durch ein riesiges reales Ungleichgewicht der Weltwirtschaft  ermöglicht hat. Deutschland schwimmt sozusagen fröhlich auf einer Dollar-Defizitwelle.

Ein anderes deutsches Lieblingsthema: Die klassische, von vielen als simple Weltsicht lieb gewonnene Einteilung in Real- und Finanzwirtschaft, die den Vorteil hat, in einer heilen Welt das Kapital und die Finanzen verschwinden zu lassen. Aber war diese Einteilung je gültig? In den sumerischen Stadtstaaten gab es sie vielleicht. Alle Leistungen der Handwerker untereinander wurden in einer Art großem Rechenwerk festgehalten, wie die  zahlreichen aus diese Zeit gefundenen Tontafeln es vermuten lassen. Nur die entstehenden Spitzen wurden mit Edelmetall ausgeglichen. Aber die gewaltigen Schnurketten mit 1000 staatlich geprägten Kupfermünzen, die die chinesischen Händler mit sich schleppten,  waren das systematische Gegenteil,  ein klarer Fall von Finanzsystem, das das Realsystem beflügelte. Danach gab es doch eigentlich nur den langsamen  oder manchmal schnelleren Schwund des Metalls als Währungsgrundlage.

Momentum  Drei Der Dollar

Die USA werden zum Zentrum der großen Warenbörsen, der Dollar wird zur zentralen internationalen Währung.  (Deutsche träumen immer noch vom Kampf  China gegen USA und haben die geheime Absprache zwischen beiden Giganten bis heute nicht verstanden).

Und es passiert etwas weiteres Paradoxes. Seitens der USA wird die Konvertibilität von Dollarreserven in von Amerika vorgehaltenes Gold aufgehoben, d.h. eigentlich  das Währungssystem restlos entkernt und die purste Form des wertlosen Geldes, das Fiat-Money in Reinkultur, verwirklicht. Üblicherweise wird dieser Vorgang als währungspolitischer Tabubruch der USA dargestellt. Nach der Währungsordnung von Bretton-Woods sei jetzt die Phase der Unordnung eingetreten. Aber genauso entscheidend ist, dass dieser Tabubruch und diese neue „Unordnung“ von allen anderen Partnern im System kopiert wurde. Und die USA setzten damit den Maßstab für die neue währungspolitische Gestaltung der Welt, die jetzt nur eine andere Ordnung ist. Und eben dieses abstrakte und ungesicherte System der neuen global-amerikanischen Geldordnung erzeugte das Lauffeuer der globalen Expansion.

Exkurs über deutsche Lieblinge:  „Starke Mark“

Während ab den 1970er Jahren  der Dollar seine große Talfahrt beschleunigte, das Gold stieg, feierten sich die Deutschen mit ihrer starken Mark im Verhältnis zum Dollar. Und zwar in einer Art von kollektivem Selbstbetrug, denn, egal wie man die Geschichte der europäischen Integration drehen und wenden will, die starke Mark gibt es nicht mehr, wohl den Dollar. Und Deutschland hat im Rat der EZB das gleiche Stimmrecht wie der Inselstaat Malta. Hier offenbart sich quasi eine historische Wahrheit: Eine wirklich starke Währung ist nicht nur ökonomisch stark, sondern wird auch von einem starken politischen Selbstbehauptungswillen getragen. Gerade die völlig „entkernten“ und nur noch geldpolitisch gesteuerten Währungen haben doch eine Basis: den Willen.. Das ist auch der Grund, warum Dollar, Pfund oder Schweizer Franken überlebt haben. So kämen die USA wohl kaum nie auf die Idee, den Dollar in einer pan-amerikanischen Freihandelszone verschwinden zu lassen.

Exkurs über Trump

„America First“, Mauer und Zollgrenze zu Mexiko suggerieren die Idee einer bisherigen Benachteiligung der USA im Verhältnis zu seiner Außenwelt. Hätte Amerika also gegen seine Interessen mit der Globalisierung und dem Freihandel gehandelt?  Dem Niedergang amerikanischer Industrie stehen bemerkenswerte Gewinner des amerikanischen Kapitalismus entgegen: Die globalen amerikanischen Dienstleistungsmaschinen wie McDonalds,  die amerikanischen Produkte wie Intel-Chips oder die Chips von Procter & Gamble, letztere als Repräsentanten einer bestimmten Konsumgüterwelt und die weltumspannenden digitalen Standards wie Google etc,  die sich mit der Expansion des amerikanischen Kulturlifestyle incl. deren Industrie einhergehen.

Trump und das Geld: Strategie „American Exit“

So gesehen ist die Botschaft „America First“ auf jeden Fall ein Bruch mit dem bisherigen Entwicklungsmuster der insbesondere von den USA über eine Geld- und Schuldenexpansion angeschobenen weltweiten ökonomischen und finanziellen Integration, vielleicht noch nicht tatsächlich, aber der Idee nach. Der mit ihr einhergehende, bisher nur als Schlagwort existierende „economic nationalism“ von Steve Bannon oder die markanten Thesen des Wirtschaftsberaters im Weißen Haus Peter Navarro  („Death by China: Confronting the Dragon – A Global Call to Action, 2011)  passen in die Gefühlswelt der ländlichen Regionen im Westen, die Trump aufgrund der Besonderheit der Bevorzugung des mittleren Westens im amerikanischen Wahlsystems (höherer Anteil im für die Präsidentenwahl zuständigen Election Boards) die Wahlen zu gewinnen halfen. Aber nicht in jene der Metropol-Regionen im Westen (Los Angeles, San Francisco) und im Osten (New York), die einen hohen Expansionsdrang in die Welt besitzen und über ihre Firmen incl. Finanzzentren und Denkmuster sich mit der Welt vernetzen und von wo aus die aktuelle Globalisierung startete. Nicht zu vergessen die großen Universitäten mit durchweg globalen Botschaften und die gerade deswegen eine hohe Anziehungskraft auf die Menschen ausüben. Diese Trennung gehört in das große Schema von Agglomeration- und Entleerung und vielleicht in ein großes politisch-historisches Muster, in dem die Stadt, Schloss oder Burg die Provinz und das Land leider auch ausnutzte. Mit dem Aufkommen des Geldes zog der Adel im europäischen Mittelalter in die Städte und ließ sich die Abgaben für die ehemals vor Ort ausgeübte Schutzfunktion als Schuld seiner Untertanen in Geld in die Stadt „überweisen“, die in der Mehrheit obsiegenden urbanen Zentren lassen heute die Windmühlen im sich dagegen wehrenden flachen Lande bauen, in der amerikanischen Hauptstadt Washington sanken die Hauspreise als einziger großer Stadt nicht einmal in der  Hypothekenkrise (Las Vegas dagegen mit einem Minus von 50 Prozent). Wer drauf schaut, sieht das Muster auf Schritt und Tritt.

Dass nun gerade das bisher völlig anders agierende amerikanische Finanzsystem über seine Personen in der neuen amerikanischen Regierung an dieser „Dekonstruktion“ beteiligt sein könnte,  gehört auch zu den schwer nachvollziehbaren und noch erklärungsbedürftigen Erscheinungen dieser Entwicklungen. Historisch gesehen hat es allerdings immer eine bemerkenswerte Anpassungsfähigkeit des Geldes und seiner Inhaber an die jeweiligen politischen Verhältnisse gegeben.

 Differenzierungswirkungen des Geldes und der Globalisierung

Zurück zu unserem Ur-Modell der fünf Partner der Globalisierung: Zwei Staaten,  zwei Zentralbanken und die Wall Street arbeiten mit einem von Zwängen losgelösten Geldsystem. Hier liegt alles auf der Hand: Wall Street und der amerikanische Staat insbesondere vertreten durch seine Administration in Washington  haben über die Fed Wohlstandsgewinne erzielt,  die große Teile der amerikanischen Bevölkerung nur sehr indirekt über preiswerte Produkte aus China erreicht haben. Wie erwähnt haben sich die weiteren Wohlstandsgewinne dann auf  die Exportnationen und insbesondere  Deutschland  verteilt. Aber nicht auf viele der 2,9 Millionen Soloselbständigen in Deutschland oder die Menschen in den Sortierstationen von Amazon, sondern auch hier wieder gemäß  dem globalen Begünstigungs- und Benachteiligungsmechanismus auf Manager und Ingenieure, Beschäftigte in starken Branchen und den deutschen Staat mit seinen zahlreichen Gebietskörperschaften.

Die kurzfristigen Schwierigkeiten aus Trumps Botschaften sind evident: America First und Aufbau der Infrastruktur ist nicht ohne deutsche  Baumaschinen oder hilfreiche ausländische Finanzierung möglich. Ein anderer Ausweg (neben der Begrenzung des Geldes) wäre nun eine weitere Loslösung des amerikanischen Geldsystems von beispielsweise Zwängen der Regulierung, was auch angestrebt wird. Die Zukunft des Geldes würde noch weiter in die Wolken amerikanischer Ökonomen und Magier verschoben, die bisher schon das wirklich bemerkenswerte  Paradox eines starken Dollar in einer Welt der Dollarschwemme über das Mantra der Globalisierung glaubwürdig und überzeugend unter die Menschen der westlichen Welt brachten. Die Widersprüche zwischen Anspruch und Wirklichkeit des Dollars dürften somit dank der Kreativitätsschübe der Verantwortlichen in den Notenbanken, Banken und den Verantwortlichen für die Staatsverschuldung aller Voraussicht weiter steigen.

Exkurs Globalisierung als Blaupause für den Euro

Wenn Globalisierung wie voranstehend als aus der Entwicklung des Geldsystems folgend interpretiert wird, dann drängt diese Interpretation schon alleine zur Überprüfung ihrer allgemeinen Gültigkeit zur Anwendung auf den Euro. Und hier tun sich tatsächlich flagrante Analogien und Ähnlichkeiten auf. Wenn die Euroländer über eine Währung verknüpft sind, dann ist das gar nicht so weit entfernt von der Jahrzehnte anhaltenden Kopplung (genannt „peg“ ) des chinesischen Yuan an den US-Dollar. China tangierte die US-Industriezentren, Deutschland offenkundig die Industrien im Süden Europas, selbst wenn deren Löhne zu schnell stiegen. Die automobilen Zweigwerke in Ungarn erinnern sehr stark an solche in Mexiko für den amerikanischen Markt. Und Griechenland oder Portugal ist eine Art Detroit zumindest in der Form, dass diese Länder chancenlos beim Aufbau von Wettbewerbsindustrien erscheinen. Das Exportland Deutschland hat wie China einen ausgeglichenen Staatshaushalt, während die Importländer im Süden die Rolle der USA mit ihren Staatsdefiziten übernehmen, aber als Defizitländer analog den USA über ihre Stimmenmehrheit in der EZB das gemeinsame Geldsystem bestimmen. Genauso wie China die Dollars eines entgrenzten Geldsystems auf das Konto seiner Zentralbank als Einnahmen einträgt, akkumuliert die deutsche Bundesbank die Euros der Schwachländer für ihre Importe aus Deutschland als sog. TARGET2-Forderungen, deren Werthaltigkeit genauso wie beim Dollar letztlich reine Glaubensfrage ist.

Währungspolitisch ist Deutschland, das das nicht wahrhaben will,  genauso schwach gegenüber den die Mehrheit bildenden Block der Südländer wie China (noch) gegenüber den USA. Der bereits erwähnte Unterschied

• zwischen dem Fall „China versus USA“  mit zwei verschiedenen Währungen
• und dem Fall der Eurozone mit einer gemeinsamen Währung

kann aber auch so interpretiert werden, dass im ersten Fall die beiden Partner China und die USA noch faktisch Herren ihres Geldes sind, während Deutschland diese Autonomie verloren hat und im Euro auf Gedeih und Verderben von einem fremdbestimmten Geld abhängig ist. Was tatsächlich so ist. Der Euro markiert insofern eine weitere, neue Etappe in der historischen Linie der Trennung des Geldes von den Menschen. Mit den demetallisierten Währungen bestand immerhin noch die Verbindung zwischen Staatsbürger und Geld des Staates. Der Euro taucht nun die Menschen in eine Multi-Staatenwelt mit all ihren Spannungen und politischen Ränkespielen ein.

Die Dauerhaftigkeit einer Sache

Es wäre eine Illusion anzunehmen, dass es hier dauerhaft nur Gewinner und Verlierer geben kann, denn dies würde jeder historischen und sozialen Erfahrung über Politik und Entscheidungsprozesse in Gruppen widersprechen. Eine auf Dauer benachteiligte Seite verlässt, vereinfacht gesprochen,  immer irgendwann die Gruppe. Insofern sind entweder ständige Gewinn-und Verlustausgleiche angesagt, oder das Konstrukt muss sich verändern bzw. mit dem Verlust von Mitgliedern rechnen. In Frankreich oder Italien steigt bereits die Abneigung gegen den Euro, weil sie seine Nachteile spüren, anders als in Deutschland. Trotz sinkender Zinsen bringen die Menschen hierzulande  mehr Geld zur Sparkasse, weil sie einen sicheren kleinen Verlust einem unsicheren Gewinn vorziehen. Aber sogar der amerikanische Präsident Trump geht auf Distanz zu dem Globalisierungsmodell. Das steckt hinter der Fairness-Forderung, die gerne als Protektionismus und Verstoß gegen die Freihandelsidee gedeutet wird.

Stabilitätsfrage 1 Aufbau und Krise

Ein Blick nochmal zurück auf die Etappen des Geldes nach dem Zweiten Weltkrieg
• monetäre Ordnung, genannt Bretton Woods, in einer gemischten Form von letzten Erinnerungen an die Goldwährungen und dem neuen Schuldgeld;.
• 1972 beendeten die USA den alten Goldtraum endgültig, d.h. beseitigten die lästige Einlösepflicht in Gold, wenn andere Länder ihre Dollarüberschüsse in den USA zur Einlösung in Gold präsentierten.
• Der Sündenfall markierte den Beginn eines allgemeinen Ungleichgewichtes, weil alle Staaten und Notenbanken mit dem Sündenfall der USA ein Muster für ihre eigenen Sünden sahen. Geld war nur noch das, was auf dem Konto einer Bank entstand, ob Zentralbank oder Bank im Finanzsektor.
• Es folgten die internationalen Schulden- und damit Geldwellen des Petrodollars,  das globale Geldschöpfungsmodell mit dem explosiven Ungleichgewicht zwischen den USA und vor allem China.
• Der Kahlschlag unter den europäischen Währungen mit der Verschwinden im Euro ab 2000 – mit Ausnahme insbesondere des englischen Pfunds und anderer skandinavischer Währungen.
• Die sich als eine Hypothekenkrise in den USA und dann als tiefgreifende, internationale Krise entfaltende erste, private Schulden- und Finanzkrise im Jahre 2008.
• Die sich daran anschließenden Rettungen der Staaten und der Zentralbanken bei gleichzeitig sich entfaltender, nächster Krise, der Staatsschuldenkrise in verschiedenen europäischen Staaten. Aber auch in den USA wächst ab 2011 die Gefahr des sog. „Shut down“ und des Erreichens der „financial cliff“ für Bundestaat und Einzelstaat.
• Speziell in Europa dann die sich nun entfaltende, radikale  Änderung dessen, was man unter Geld und Geldpolitik bislang verstand, durch die EZB ab 2014 durch den massiven Kauf von Staatsanleihen, der auch ganz anders genannt wird: Quantitatives Easing.

Stabilitätsfrage 2 Interpretation
Wie sieht eine praktische, systematische Quersumme des geschilderten Ablaufs seit 1944 unter dem Mikroskop aus:

• Aufbau einer wachsenden und zunächst stabilen Schuldenwelle, auf der Private und Staaten sich auf ihrem Surfbrett halten, bis die Welle instabil wird und beide Surfer, lange unterstützt von Finanzsystem und Ratingagenturen, vom Surfbrett im Normalfall fliegen würden, aber bisher aufrecht bleiben und nur schleudern.
• Interessant der Wechsel der Akteure von Etappe zu Etappe: Private Hauskäufer und Bauherren, Banken, Staat bzw. Staaten und schließlich EZB bzw. Zentralbanken. Etappe 1: Die Bauherren rettet keiner, sie geben ihre Häuser zurück oder gehen in die Zwangsversteigerung; Etappe 2: die Banken lassen sich vom Staat retten (Ausnahme Bear Sterns, Lehman 2008);  Etappe 3: Die Staaten retten sich untereinander im sog. ESM in Europa. Etappe 4: In der aktuellen jetzt letzten Etappe werden die jeweils schleudernden Staaten einschließlich Banken von der EZB gerettet. Also eine Kette: Privatperson – Banken/Finanzsystem – Staaten – Notenbanken.
• Interessant zwei Dinge hierbei: Die Bürger gehen zwei Mal leer aus: Weder erhalten sie eine Hilfe für ihre finanziellen Schwierigkeiten noch werden sie gefragt insbesondere im Rahmen der aktuellen EZB Politik. In den USA nicht viel anders. Sie erhalten in Europa zwar eine Einlagengarantie, die aber in Folge des Zyklus der Rettungsschritte irrelevant ist. Durch die sog. Bail-In-Klausel werden die Aktionäre und Gläubiger der Banken zusätzlich belastet. Sie haften für die Schieflage der Banken (Zypern).
• Interessant die Folge der Verschiebung der Kreativitäten: Kreativität des Finanzsystems in der ersten Etappe bis zur internationalen Immobilienkrise, Kreativität der Staaten in den nächsten Etappen bei der Bildung der Bad Banks zur Absorbierung der Schulden des Finanzsystems  und beim Aufbau der europäischen Rettungsschirme insbesondere ESM zu ihrer, der Staaten gegenseitigen Rettung und heute in der letzten Etappe ultimativer und unerwarteter Kreativitätsschub  der Zentralbanken insbesondere der EZB.
• Interessant der Verfall der Sitten hinsichtlich der sich steigernden Gesetzesbrüche: Bankenrettung statt Pleite, gegenseitige Staatenrettung statt deren Pleite und damit Verstoß gegen EU-Verträge und ultimatives Vorgehen der EZB, bei der letztlich alle Hemmung nach hier vertretener Auffassung fallen und mit dem massiven Aufkauf der Staatsanleihen tendenziell die Rolle der Bad Bank der Staaten mit übernimmt.
• Interessant das Klettern auf der Instanzenleiter: Vom Retter Staat zur Retterin EZB als letzter Instanz. Anders als beim richtigen Surfen erreichen die Surfer  aufrecht das Ufer. Zumindest bisher.
• Intransparenz und Komplexität der Rettungsmaßnahmen steigen, je höher und weiter die Rettungsinstanz sich von den täglichen Erfahrungen mit Geld entfernt. Die Hypothekenkrise wurde noch teilweise verstanden, weil Hypotheken vielen bekannt sind, Bankenrettung war schon weniger einsichtig, ESM kaum noch verständlich, und EZB-Agieren ist nur noch von einer exklusiven Minderheit von ökonomisch und politisch Informierten nachvollziehbar. Gerade was Zentralbanken den ganzen Tag lang machen, dazu gibt es ein immenses Defizit an „ziviler Transparenz“.  Die Situation ist mit der beginnenden Finanzkrise vergleichbar, in der es hieß, dass die Banken ihre eigenen Papiere nicht mehr richtig verstehen. Jetzt verstehen die Bürger die Zentralbank nicht mehr.
• Und hier sind auch die Wurzeln für das große Paradox insbesondere in Deutschland, aber nicht alleine hier, eines relativen stabilen Vertrauens in den Euro, ohne nahezu jegliche Kenntnis des Handelns seiner verantwortlichen Akteure. Ein Vorgang, der wie gesagt an die maßlose Konstruktion von Papieren aller Art in der ersten Phase der Krise in den USA erinnert. Die alte Theorie der Geldillusion bewahrheitet sich im neuen Gewand. Oder die Idee des Gefangenseins infolge des staatlichen Geldmonopols. Eine eingebaute Tragik und Resignation scheint damit das Geldwesen zu kennzeichnen. Wenn es hieß „Ich denke, also bin ich“, heißt das übertragen: „Ich glaube es so, also ist es so“. Auf jeden Fall sind die Menschen völlig überfordert, sich mit den Mechaniken und Tricks des Geldsystems auseinanderzusetzen und geschweige, diese zu verstehen. aber Resignation ist nur eine Seite.
• Wo Intransparenz herrscht, ist auch Meinungskampf möglich. Heute existieren  aus diesem Grunde nebeneinander zwei völlig entgegengesetzte Mentalitäten in den Köpfen: Resignierendes Vertrauen und die Bereitschaft, ein überbordende Flut von negativen  Meldungen über dieses geschilderte System aufzunehmen und in Groll und Ressentiments zu verarbeiten. Wer welche Botschaft in den Markt der Meinungen reindrückt, ist nicht klar. Auch Teil der Intransparenz.

Stabilitätsfrage 3 Speziell Euro

Auch  scheint sich ein Widerspruch in anderer Hinsicht aufzutun. Die mehrheitlich  entscheidenden Südländer fühlen sich selbst durch die Geldpolitik irgendwie benachteiligt, tappen wegen der allseits herrschenden Intransparenz im Dunkeln bei der Aufklärung ihrer Lage. Die quasi einflusslosen Deutschen hingegen glauben an den Euro, was scheinbar nicht passt. Aber genauso wie im Verhältnis  China-USA  jetzt erstmals die chinesische Seite große Mengen von US-Staatsanleihen verkauft, gibt es keine Garantie dafür, dass das Verhältnis der Deutschen zu dem Euro immer so bleiben muss. Es gibt gerade in Deutschland  trotz der ausgebauten Sozialsysteme ja auch die ihr Leben planenden Menschen, die jeden Monat eine bestimmte Summe für ihr Alter zurücklegen. Hier ist Verlässlichkeit und Stabilität gefragt.

Letztlich stehen die Menschen mit ihren Erwartungen an das Geld wie vor einem großen Rätsel: Wenn Geld sich zu einem Medium entwickelt, mit dem man gewissermaßen auf Einsatz spielen kann, es um den Globus schicken kann, um es dann in immer neuen Szenarien zu reorganisieren, dann ist das für die aufgeklärten unter ihnen der Art nach nicht etwas gänzlich Neues. Im britischen Empire und überhaupt bis vor dem Ersten Weltkrieg geschah es unter der Herrschaft des britischen  Pfunds eigentlich genauso. Aber es gab noch eine formale Golddeckung. Und die monetären Aggregate waren dem Volumen nach ungleich bescheidener. Das neue Geld aus der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts, das allein durch den staatlichen oder privaten Willensakt der Verschuldung entsteht, ist scheinbar das ideale Produkt für moderne Massengesellschaften. Jeder kann theoretisch sich daran beteiligen, die Bedingungen erscheinen klar und überschaubar.

Chemie oder Alchemie

Aber von der ganz anderen Seite der Psychologie und auch der simplen Ökonomie der Altersvorsorge besteht unverändert die Erwartung an ein Mindestmaß an Stabilität. Kann ein mit so weit reichenden ökonomischen, sozialen und politischen Wirkungen  ausgestattetes Konstruktionsprinzip für menschliche Gemeinschaften auf einer so simplen Formel des Schuldenprinzips beruhen und dauerhafte und nachhaltige Ergebnisse liefern? Als jetzt Ende 2016  die Energiepreise in Europa  plötzlich die Verbraucherpreise auf eine Jahresrate von fast 2 Prozent steigen ließen, wurde die dahinter stehende Stabilitätsfrage wieder aktuell und wird es aller Wahrscheinlichkeit in Zukunft bleiben.

Geld ist nicht  knapp, zum Zweiten

Modernes Geld entsteht durch Schulden. Wer kann Schulden machen?  Privatleute,  einschließlich  Privatunternehmer bis hin zu großen Familienunternehmen, Kapitalgesellschaften einschließlich der Banken und der Staat. Zwischen diesen Akteuren verläuft eine feine Trennungslinie, nämlich die zwischen natürlichen und  juristischen Personen. Private, natürliche Personen, werden die Schulden über ihr Leben in der Regel so verteilen, dass sie am Anfang oder in der Mitte ihres Berufslebens Schulden machen und sie später bis zum Alter wieder abbezahlen. D.h. sie geben zuerst Geld aus und sparen später. Selbst wenn es internationale Vergleiche über sehr hohe private Verschuldungsraten wie z.B. in Australien gibt, das Prinzip bleibt, Abweichungen können z.B. durch hohe Immobilienpreise bis hin zu Immobilienblasen wie z.B. in Spanien erklärt werden.

Völlig anders sieht es bei juristischen Personen aus, die ihrer Natur nach „unsterblich“ sind. Sie kennen diesen Zyklus von Schuldenmachen und Schuldentilgung nicht. Warum auch? Sie leben ja weiter.Insbesondere der Staat hat beim Schuldenmachen die besten Karten, weil es noch weitere Trennlinien zwischen den Akteuren gibt: Zur Deckung seiner Schulden kann der Staat als einziger die übrigen Akteure über die Steuern einspannen, er kann ferner über das Geldsystem und damit letztlich auf die Zentralbanken einwirken, die sogenannte Unabhängigkeit der Notenbanken wird ernsthaft nicht mehr behauptet, eine interessante Methode für Staatsschulden besteht schließlich in ihrer Messung als Anteil an der Wirtschaftsleistung des Landes insgesamt. Also, wenn die übrigen Akteure Wachstum erzeugen, darf der Staat damit mehr Schulden machen, die Privaten mit ihrer das Sozialprodukt steigernden Arbeitsleistungen, bekommen vielleicht keinen Kredit mehr von der Bank, weil sie „zu alt“ sind, der Staat ist nie zu alt.

Es wird hier keine Meinung vertreten, sondern über  Fakten gesprochen. Daher soll erwähnt werden, dass mit der Wirtschaftskrise von 1929 und den später die wirtschaftswissenschaftliche Diskussion maßgebenden Thesen des britischen Ökonomen Keynes dem Staat gerade die Rolle des letzten Retters vor Rezession und Stagnation theoretisch zugewiesen wurde. Wichtig ist auch der sog. Monetarismus, der Keynes völlig in Frage stellt und das Geldangebot alleine auf eine verlässliche Basis, d.h. an das Wachstum der Wirtschaft koppelt. Beide Thesen eignen sich nach der hier vertretenen Auffassung  aber nicht mehr, um konkret zu verstehen, was heute passiert und passieren sollte. Wenn Keynes z.B. behauptet, dass wir in eine Rezession geraten, weil die Menschen zu viel sparen und deswegen  der Staat mit zusätzlichen Ausgaben einspringen sollen, fragt man sich heute zu Recht: Welche Probleme werden damit beseitigt? Wo liegt die Grenze dieses Verfahrens?

Geld zwischen Individuum und Welt

Die Vorstellung, dass Geld nicht knapp ist, weil jederzeit Schulden gemacht werden können, der Zins für das Geld niedrig ist und Schulden nicht zwingend zurückgezahlt werden müssen, gehört in den großen und kaum verständlichen Zusammenhang des Menschen in der modernen Welt und wie diese Welt interpretiert wird. Ein fundamentaler Aspekt ist, dass der Gedanke der Knappheit zurücktritt. Für das Wirtschaften der Menschen und damit ihres Überlebens nach der Vertreibung aus dem Paradies, wenn schon die Bibel bemüht wird, was aber allgemein sowieso als gültig angenommen wurde, war die Knappheit der Güter und die Mühen um das Leben („im Schweiß Deines Angesichts“) ein fundamentaler Maßstab, an dem  keinerlei Zweifel bestand. Da das moderne Geld die Verfügung über Güter so leicht möglich macht, geht dieser Gedanke verloren oder tritt in den Hintergrund.

Der Club of Rome gründete mit dem 1970er Katastrophenszenario einer sich selbst konsumierenden Welt noch auf dieser Idee der unüberwindbaren Knappheit der Ressourcen. Einer Idee, die danach zur Idee einer fast ewig gleichmäßigen  Nachhaltigkeit mutierte, wo auch der Zyklus der Sieben fetten Jahre und der sieben Jahre verschwindet und die Figur eines ökologisch neutralen Menschen auf der Weltenebene erscheint, was es bisher gewiss nicht gegeben hat. Und wo die nicht-fossilen Energieträger Energie und damit letztlich Güterproduktion für immer versprechen. Und das mit einer prognostizierten Bevölkerung von zehn Milliarden Menschen! auf dieser Welt, so wirkmächtig ist dieser Mix aus ökologischen, technischen, politischen und sozialen Gedanken. Interessant wohl nur in bestimmten Teilen der westlichen Welt und krasse Utopie ungefähr für die restlichen neunzig Prozent der Erdbevölkerung.

Nach der hier vertretenen Auffassung hat das moderne Geld maßgeblichen Einfluss auf diese Entwicklung und steht sogar in einem inneren Zusammenhang mit ihr, in der Weise, dass je mehr möglich erscheint,  umso mehr Grenzen, die dies erschweren, eben beseitigt werden müssen.

In diesem  Wirkzusammenhang verschwindet das planende Individuum zugunsten zugunsten  des großen Plans der Gesellschaft, was ja immer die große Frage war,

• ¬mindestens seit zuletzt als der Mensch aus der Ordnung des Mittelalters entlassen wurde,
• die englischen Philosophen Hobbes und Locke vor allem sich über Mensch und Staat Gedanken machten,
• Rousseau ihn in der Volonté générale das Individuum quasi ausradierte,
• der englische Utilitarismus insbesondere von Jeremy Bentham nur noch das „Glück der großen Zahl“ der Weltgeist vor Augen hatte,
• Hegel mit seinem in den Wolken schwebenden Weltgeist nicht ganz unschuldig in dieser Beziehung war
• und sich dann die  Ängste des Menschen in dieser vom System regierten Welt beispielsweise in Aldous Huxley „Brave New World“ oder in Orwell „1984“ durchaus nachvollziehbar romanhaft materialisieren.

Fazit: Die politische Ideengeschichte hat das moderne, lockere Geld begünstigt. Diese letzte Geldform begünstigt die „unsterblichen“ juristischen Personen, an denen sich die Aktionäre über die Aktien an den Kapitalgesellschaften beteiligen,  die Rentner nur sehr indirekt in dem vom Staat gemanagten Sozialsystem Schutz suchen und die politische Klasse einschließlich aller für den Staat Tätigen  sich ganz direkt durch ihre Arbeit mit letzterem verbinden.

Die Felder der Betroffenheit

Sicherlich wird der voranstehend geschilderte Paradigmenwechsel des Knappheits-problems  den wenigsten Menschen so deutlich bewusst sein. Die Wahrnehmung der Menschen über „ihr“ Geld ist so vielfältig und auch so widersprüchlich, das sie ständig erforscht wird, auch um das Geld selbst wieder entsprechend zu manipulieren und Spielräume für seine Veränderung und wirtschaftspolitischen Einsatz  auszuloten.

In der diffusen und sorgenvollen Suche wer, für das viele Übel am Geld verantwortlich sei, haben die Deutschen zuerst um 2005 Münteferings „Heuschrecken“, in der Finanzkrise 2008 die Ratingagenturen und die Banken  und mit der Rettungsaktion für Griechenland  ab 2010 dann die europäischen Institutionen entdeckt und eine immer längere „Bank“ von Schuldigen gebildet. Und konnten sich durch eine Reihe von Skandalen wie dem Libor-Skandal, Skandal beim Goldpreis-Fixing, Wetten der Banken gegen die eigenen Papiere usw. bestätigt fühlen. Der Bundesbank-Bonus blieb weitgehend erhalten, damit ein spezifisch deutsches Basisvertrauen auch in das neue Geld, das in anderen Ländern wie Frankreich, den Südstaaten bei Weitem nicht so ausgeprägt erscheint. Umgeben von einer  negativen Basisströmung, die es immerhin vorher so nicht gegeben hat und wo bei Themen wie die Abschaffung des Bargeldes ein immer weiter steigendes Maß an Empfindlichkeiten vorhanden ist.

Staatsgeld

Das aktuell spezifisch deutsche Verhältnis zum Geld präsentiert sich vor dem Hintergrund des relativ reibungslosen Übergang von der D-Mark als der vielleicht stärksten Währung Europas zum Gruppenexperiment Euro mit Partnerländern, deren Währungsverluste in D-Mark-Zeiten ja jedem präsent waren und deren Verluste gerade Voraussetzung für das starke D-Mark-Gefühl waren. Eine seltsame Bandbreite von Gefühlen wird hier deutlich. Gleichgültigkeit, was Geld ist, DM-Nostalgie, Reste von Erinnerungen an gescheitertes Geld in Deutschland, man denke nur an die große Inflation von 1923 – und auf der anderen Seite eine tiefe Abneigung gegen die Idee der Geldschöpfung durch Schulden insbesondere wenn dies bei den Banken passiert und stattdessen ein Ruf nach dem Staat als alleinigem Herrscher über das Geld und seine Entstehung. Freigeld, Vollgeld, alternatives Geld, lokale Währung, Abwandlungen von Bitcoins etc. sind hier die Stichworte, die bei Google den Blick auf verschiedene Initiativen ermöglichen. Auch Ideen wie das Bedingungslose Grundeinkommen (BGE) oder das sog. Helikoptergeld hängen nach der hier vertretenen Auffassung direkt mit der Vorstellung zusammen, dass es nur des neuen konstruktiven Ansatzes bedarf, um die Dinge im Sinne des in Deutschland sehr beliebten „gesellschaftlichen Interesses“ von Grund auf neu zu gestalten. Teilweise sektiererisch reflektieren sie doch ansatzweise eine relative breite Grundstimmung, dass Geld Staatssache ist. Oder wie in den verschiedenen utopischen Entwürfen, die es immer gegeben hat, einfach nicht existiert, weil nicht gebraucht.

Knackpunkte

Das Gefühl ist allerdings widersprüchlich. Denn, wenn es darauf ankommt,  besteht an dem Scharnier zwischen Geldanschauung der Menschen und Geldpolitikmöglichkeiten „von oben“, also zwischen „meinem Geld“ und „unserer Währung“ immerhin eine gewisse Klarheit über die zentralen, sogenannten Knackpunkte, als da vor allem sind: Inflation, Niedrigzinsen, diskutierte Abschaffung des Bargeldes, sog „kalte Progression“, Rolle der Banken und Verteilungswirkungen der Geldpolitik insbesondere in Bezug auf die Ärmsten der Gesellschaft.

Auf den genannten Feldern wird sich auch in Zukunft das Verhältnis zwischen den Einzelnen und ihrem Geld und auf der anderen Seite dem Politiker, ob Parteipolitiker oder Geldpolitiker, keineswegs friedlich entfalten, weil der eine den Schein pfleglich behandelt haben möchte, der andere ihn aber lieber zerknüllen möchte oder ihm etwas abschneiden: Negativzinsen und Inflation.

Der Kampf, der hier geführt wird, ist an Verworrenheit nicht zu überbieten. Und er scheint kaum  zu gerechten Ergebnisse zu führen. Zum Beispiel Thema Inflation. Das Zwei-Prozent-Ziel wird als Maßnahme gegen die Deflationsgefahr und damit beschäftigungspolitisch begründet. Das Argument dafür lautet, dass im Fall sinkender Preise die Konsumenten ihre Anschaffungen zurückstellen, mehr sparen und damit weniger produziert und gar entlassen wird (Rezessionsgefahr, sog. „Japanszenario“).

Aber es ist nicht nur die Figur des Sparers, die leidet, es sind die Ärmsten selbst, die höhere Preise für ihren tägliches Brot bezahlen müssen, auch somit die Beschäftigten selbst, von den Rentnern ganz zu schweigen.  Aber was ist mit denen, die in der Inflation höhere Löhne erhalten oder erkämpfen und dann wieder in höhere Progressionsstufen des Steuersystems geraten? Und was ist mit denen, die die ganze Zeit über „Zinsknechtschaft“ polemisieren konnten? Ist das der bessere Zustand? Oder sind es immer nur die Banker, die profitieren? Obwohl jetzt die Zeit der Filialschließung kommt und dort alle über den Verkaufsdruck klagen?

Vielleicht gibt es doch einen tieferen Zusammenhang zwischen Geldschein und Scheindebatte?  Denn die zwei Prozent werden am Verbraucherpreisindex (amerikanisch „CPI“ für Consumer Price Index) gemessen. Sind die Güter für den Verbraucherpreisindex die einzigen Güter in unserer Volkswirtschaft? Natürlich nicht. Es gibt Hauspreise, Gold und Silber, Maschinen und Gewerbeimmobilien oder immaterielle Güter wie Patente oder Markenrechte und deren Preis als Anteilsschein in Form von Aktien, nur um einige Beispiele zu nennen, für das was man Sachgüter oder Assets nennt.

In der Inflation steigen nun insbesondere die Hauspreise stärker als die Konsumgüter, weil sie Wertstabilität und gerade Schutz vor Inflation versprechen und es auch in den meisten Fällen auch sind. In Kombination mit der gleichzeitig betriebenen Niedrigzinspolitik der USA ist die Beteiligung über werthaltige Assets in Form von Aktien eine sehr wirksame  Möglichkeit, dem Wertverlust des Geldes durch Inflation zu entgehen. Auch Gold erscheint vielen interessant,  obwohl es gerade vor weniger als einhundert Jahren in den USA als Privatbesitz verboten wurde. Also bereichert diese Art von Politik die Besitzer von Assets aller Art, vereinfacht gesprochen die bisherigen Besitzer oder marxistisch gesprochen die besitzenden Klassen.

Noch fragwürdiger wird dieses Arbeiten mit leichtem Geld, wenn man weitere ökonomischen Wirkungen betrachtet. Es war schon immer bekannt, dass Hauspreise mit sinkenden Zinsen steigen. Ähnlich verhält es sich offenkundig  mit den Automobilpreisen. Zur großen Freude der Automobilindustrie wurde in Europa im letzten Jahr 2016 erneut ein Rekord bei den Preisen für Neuwagen erreicht. Auch die USA vermeldeten in 2016 einen Absatzrekord von 17,6  Millionen Autos und als Wagen immer größer und schwerer,  davon wurde ein Großteil des Absatzzuwachses über Autokredite insbesondere an die sog. „Subprime“-Käufer  (mit einem sog. „credit-score“ unter 620 Punkten)  erzielt, also eben  jener Schicht, in die wider jede Vernunft die Immobilienkredite förmlich hineingepumpt wurden, bis die Blase in 2007/2008 platzte. In Deutschland ist das hinsichtlich der Autos im Prinzip wohl nicht viel anders. Die Autoindustrie ist trotz der Zurückhaltung vieler jungen Leute nicht unzufrieden über Absatzzahlen  in dieser Gruppe. Im großen Ganzen erzeugt das leichte Geld offenbar eine sich schnell abschreibende Blechlawine auf Pump (die Besitzer verlieren eher dabei). Ausserdem umweltmäßig kritisch zu betrachten.

Für diese Seite der Gesellschaft läuft das ganze Verfahren auch in den sog. reichen Staaten Europas auf ein dauerhaften Verlust hinaus. Nicht mehr die Unternehmer sind wie bei Marx die „nützlichen Idioten“, die weniger bemittelten Konsumenten sind es jetzt, die die Anreize der Geldpolitik zusammen mit den wohlhabenderen Schichten in einen für sie nachteiligen, kurzfristigen und flüchtigen Massenwohlstand des Augenblicks drängt, um später durch staatliche Hilfen und die sog. „Wohlfahrtsverbände“ aufgefangen zu werden. Sozialpolitik übernimmt hier die Rolle einer nachgeschalteten, sozialen Problemlösung für eine auch mit Hilfe der Geldpolitik zum Konsum angeheizte Massengesellschaft ohne nachhaltigen Wohlstand. Um einen Anreiz zum Sparen zu erreichen, müssten die Zinsen für diese Gruppe im Gegenteil hoch sein. Vielleicht würden sie, stabiles Geld vorausgesetzt, damit besser fahren.

Langfristige Investitionen bleiben auf der Strecke. Die OECD bemängelt seit Jahrzehnten eine zu niedrige industrielle Investitionsquote in Deutschland, die Sparkassenverbände weisen schon lange mahnend daraufhin, dass die junge Generation zu wenig für das Alter spart. Um sich diese Mahnungen in ihrer wirklichen Substanz zu vergegenwärtigen: Wer 200 Euro monatlich für sein Alter zurücklegt,  hat bei dem offiziellen Inflationsziel von zwei Prozent und dem aktuellen und wahrscheinlichen langfristigen Nullzins von seiner ersten Einzahlung nach zwei Jahren 196 Euro, nach zwanzig Jahren 134 Euro und nach vierzig Jahren knapp 90 Euro, wenn es ihn noch gibt. Die Volonté générale verhindert damit über das Geld eindeutig die private Altersvorsorge des autonomen selbständigen Menschen. Zumindest in Form einer passiven Anlage. Selbst wenn mal die Zinsen steigen sollten, kann ja auch die Inflation steigen. Es Es gibt nur noch den Ausweg über Aktien oder andere Assets, die im Kurs schwanken können. Was hingenommen werden kann und muss und ökonomisch-logischer Ausfluss einer Tatsache ist: Ein instabiles, politisch gesteuertes Geld kann keine Stabilität liefern. Wenn diese seitens des Anlegers gewünscht wird, wandert es zwangsläufig durch das Finanzsystem und wird mit Hilfe von Finanzoperationen in ein Papier mit stabilem Geldfluss verwandelt. Ein klassisches Hedge, bei dem die sichernde und Stabilität versprechende Gegenseite Gewinne über eine alternative Anlage erzielen kann, aber ohne Garantie. Da dies mit Unsicherheit verbunden, kann ein Hedge auch nie sicher sein

Aber neben dem Auto als Lieblingskind der Deutschen hilft auch die deutsche Vorliebe für Beton und die Dekarbonisierung in 2050 als Hebel für den angestrebten Konjunkturantrieb und zugleich Hedge gegen Inflation: Massiv KfW-geförderte Investitionen in Beton/Duropor  bringen etwas mehr Lebensqualität und vielleicht Wertsteigerung  in die Immobiliensubstanz, deren energetische Sanierung sich in vielen Fällen nicht rechnet (siehe auch das Wärmepumpendebakel der letzten Jahre).

Fazit: Das leichte Geld erzeugt in Kombination mit niedrigen Zinsen einen asymmetrischen Effekt der Vermögenssteigerung einerseits und der Verschuldung und Fehlallokation von Ressourcen.

„Money revisited“

Bei der Suche nach einem gemeinsamen Nenner für dieses Chaos stößt man immer wieder auf das Allgemeine: Was ist Geld? Wie definieren wir es? Wie ehrlich gehen wir damit um? Eine gewollte Inflation ist mit Sicherheit eine Verletzung des Eigentums und damit ein Verstoß gegen die Verfassung. Wenn wir sagen, dass der Staat seine Schulden nicht mehr zurückzahlen kann und wird, aber jede Privatperson es zwingend muss bis hin zum Offenbarungseid oder der Versteigerung des Hauses, was heißt denn das?  Ist das die Volonté des Staates, die Vorrang hat?  Oder ist das „Glück der größten Zahl“?  Dass gerade der Schuldner Staat, der seine Schuld nicht zurückzahlt,  begünstigt wird. Laut Regulierung gelten Staatsanleihen als die sichersten Papiere in den Bilanzen der Banken und auch der Versicherungen, sie werden von der EZB vorrangig erworben.

Aber war das wirklich so ausgemacht?  Und wer ist dieser Staat im Eurosystem?  Die Notenbankgouverneure aller neunzehn Notenbanken des Eurosystems und damit im Endeffekt diese neunzehn Staaten selbst, also achtzehn fremde Staaten? Wie ernst nehmen aus der Perspektive unseres Landes diese anderen Staaten und ihre Staatsvölker das Geld? Reicht das vom Bundesverfassungsgericht für diese Situation formulierte „Integrationserfordernis“ als Begründung?  Wie legitim ist dieses Vorgehen?  Dafür, dass deutsche Steuerzahler ohne jeden Einfluss darauf für die Staatsanleihen aller anderen Länder und insbesondere der ehemaligen Schwachwährungsländer eine Garantie abgeben? Die deutlichen Worte des ehemaligen Ifo-Chef Hans-Werner  Sinn stellen diese Fragen zu Recht für den Euro.

Die großen Währungen

US-Dollar, Euro, Yuan/Renminbi (China), Yen, Pfund Sterling und Schweizer Franken können als die großen sechs Währungen angesehen werden. Eine kurze Prognose für diese Währungen ist bereits für den Dollar angesprochen worden. Der Dollar wird zwischen der Stabilität der Globalisierung und der Renationalisierung der Welt hin und her schwanken. China wird weiter expandieren und diese Expansion durch ein enormes Schuldenwachstum antreiben, so dass die chinesischen Schulden als Risiko angesehen werden. Der Yen als Währung eines Landes mit einer riesigen Staatsverschuldung (220 % zu BIP) profitiert von einer hohen Loyalität seiner Bevölkerung und der quasi vollständigen internen Finanzierung seiner Staatsschulden. Der Schweizer Franken gilt als sicherer Hafen, während das Pfund Sterling unter dem Brexit-Votum leidet. Von diesen Währungen ist der Euro die einzige Währung (Geld)  ohne ein eigenes Staatsvolk, sondern mit einer Gruppe von Staaten und Völkern, deren Zusammenhalt im Augenblick schwindet und die sich wirtschaftlich sehr unterschiedlich entwickeln. Die meisten anderen Währungen enthalten damit einen stabileren Kern als der Euro.

Das gemeinsame Problem: Schulden und daraus folgend Zinsen

Das gemeinsame Problem aller dieser Währungen ist einmal volkswirtschaftliches Schuldenwachstum und dies zudem in Kombination mit wirtschaftlicher Wachstumsschwäche. Was bedeutet dies?

Das Verhältnis von Wachstumsschwäche und Währung ist leicht erklärt. Die Zentralbank einer solchen Währung kann versuchen, auf die Abwertung der  Währung hin zu arbeiten (wie in Japan in den letzten Jahren geschehen). Der Außenwert der Währung sinkt, es besteht die Möglichkeit einer Abwärtsspirale, wenn Inhaber der Währung aus dieser Währung „raus wollen“. Ein Risiko für die Währung.

Schuldenwachstum wirkt sich ebenfalls negativ auf eine Währung aus. Schulden im Privatsektor: Spektakuläre private Pleiten  können eine Flucht aus der Währung auslösen wie in China in 1990er Jahren. Oder das Wachstum des jeweiligen Landes wird als nicht dauerhaft und nachhaltig betrachtet , es wird z.B. mit dem Abzug von Geldern ausländischer Investoren gerechnet. Jüngstes  typisches Beispiel sind Immobilienblasen, deren  Platzen die finanzierenden Banken in den Abgrund reißen können. Ein Risiko für die Währung.

Staatsschulden speziell bleiben das ganz große strukturelle d.h. systemimmanente  und ungelöste Problem des modernen Geldes, dessen Zukunft sich an dieser Front wohl entscheiden wird. Nicht heute, aber übermorgen. Es betrifft eigentlich alle Währungen. Die Gründe dafür klangen bereits mehrfach an:

• Der Staat entscheidet in letzter Konsequenz über Geld, Geldsystem und Geldpolitik. Selbst wenn die Notenbank institutionell vom Staat getrennt ist, legt der Staat die Verfassung und die Aufgaben der Notenbank fest. Oder das duale Mandat der US-Fed z.B: Preisstabilität und Beschäftigung.
• Der Staat schützt sich selbst gegen die Pleite. Es gibt eine moderne demokratisch gewollte Unmöglichkeit der Staatspleite. Wenn es diese nicht geben kann, wo liegt das Problem?  Die Erläuterung folgt später.
• Der Staat verschuldet sich explizit über Anleihen, oder implizit über eingegangene Verpflichtungen insbesondere für die Bezahlung der Staatspensionen. Die sogenannten impliziten Schulden betragen in Deutschland ein Mehrfaches der bekannten, ausgewiesenen Schulden.
• Neben der Unmöglichkeit der Staatspleite gibt es das weitere Phänomen, dass kein größerer Staat bisher die Rückzahlung seiner Schulden je angedacht oder versucht hat. Das heißt: einerseits keine  Staatspleite,  andererseits mal schneller, mal langsamer,  aber letztlich immer unaufhörlich steigende Schulden, wie es statistisch nachweisbar der Fall ist.

Staat und Private im Kampf oder Spiel  um Geld

Geld ist nicht nur eine Frage der Definition einer statischen Sache, sondern hinsichtlich seiner Entstehung eine Frage der Regeln und Beschreibung eines interaktiven Vorgangs zwischen ökonomischen und politischen Akteuren über Schulden.

Das große Bild

Bringt man es auf eine einfache Formel war das Geld nach dem Zweiten Weltkrieg

• ein Vorgang der privaten und staatlichen Bildung riesigen Schuldenbergs
• mit dem damit verbundenen parallelen Aufbau einer komplexen Finanzarchitektur aus Zentralbanken und privaten Finanzinstitutionen mit ihren Papieren, Finanzmärkten, die sich kurz „die Märkte“ nannten und nennen.
• Dieser immer vibrierenden Welt entsprach im Aufbau passenderweise mit tendenziell ähnlichen Denkmustern eine immer stärker von Kapitalgesellschaften und Investoren dominierte kapitalistische, von dem politischen System mühsam kontrollierte Welt (mit der eher untypischen deutschen Besonderheit der Familienunternehmen). Am Rande vermerkt gab es mehrere Etiketten für das Ganze, je nachdem, was behauptet werden sollte: Wirtschaftswunder, Soziale Marktwirtschaft in Deutschland oder Kapitalismus.
• Die Menschen selbst sahen sich selbst mehrheitlich im sog. Massenwohlstand, von Ausnahmen auch in Verbindung mit dem einsetzenden Strukturwandel abgesehen.

Nochmal der Einbruch ausführlicher

Ab 1987 erschütterten mehrere Einbrüche zuerst an den Aktienmärkten, dann an den Währungsmärkten und später an allen Fronten das wirtschaftliche und finanzielle System, so dass neben den bereits erläuterten geographischen Ungleichgewichten der Globalisierung andere tiefer sitzende Ungleichgewichte sich manifestierten. Um es mit einem Vergleich zu verdeutlichen: Nicht mehr die Straße war das Problem, sondern der Fahrer selbst. Spätestens nach Platzen der Dot-com-Blase Anfang 2000 übernahm dann die FED entschlossener und autonomer die Kontrolle und in Gefolge die Umgestaltung des Geldes. Um bei dem Autovergleich zu bleiben, die Lenkung als Teil des Autos, die FED als Teil des Finanzsystems, holte sich immer mehr Freiheiten raus. Die Etablierung einer eigenen Regierung über Geld und letztlich alles Relevante nicht nur in wirtschaftlichen Belangen wurde dann mit dem Euro als europäische Gemeinschaftswährung unter der alleinigen Kontrolle der EZB und der Abschaffung der nationalen Währungen endgültig Fakt. Heute ist davon auszugehen, dass die Zentralbanken in Kombination mit dem IWF ein historisch einmaliges Maß an Autonomie und Macht besitzen.

Selbst wenn die Finanzkrise in 2008 doch eintrat (vielleicht auch gerade wegen Fed-Chef Alan Greenspan), ging und geht es dem Geld doch jetzt ziemlich rabiat an den Kragen.

Geld als Druckmittel

Erstes Mittel: In Kombination mit dem Inflationsziel von zwei Prozent besteht das Ziel, dem bequemen Geld in der Hand des sparenden Konsumenten jeden Ertrag weg zu nehmen bzw. es im Wert jährlich zu vermindern. Nicht umsonst entstand in diesem Zusammenhang der Begriff „financial repression“. Das Geld soll nicht auf dem Konto liegen bleiben. Der Umlauf des Geldes soll sich beschleunigen, es soll verwendet werden.

Zweites Mittel: Das sog. „Quantitative Easing“ markiert eine weitere Etappe der machtvollen Demonstration der neuen Stärke der Zentralbanken. Wenn schon die Zinsen nie so niedrig waren, warum nicht noch was ganz Neues? Das QE kombiniert die Entsorgung der Staatsschulden in der Bilanz der Zentralbanken mit dem Hineinpumpen von eben diesem per se ertraglosen Geld in den wirtschaftlichen Kreislauf. Die Zentralbanken kaufen die Anleihen des Staates zurück und schreiben den Banken dafür ein Guthaben auf den Konten der Zentrale gut, damit dieses Zentralbankgeld im Rahmen der Kreditgewährung der Banken zurück in die Wirtschaft fließt. Mit dem Kauf von Unternehmensanleihen durch die EZB ab 2016 ist das Quantitatives Easing sogar ein direkter Eingriff in die Wirtschaft und Verteilung, wie später verdeutlicht wird.

Buchhaltung

Bank hat Guthaben bei der Zentralbank oder leiht sich dort Geld und kauft damit bei der deutschen Finanzagentur Staatsanleihen. Geld wandert in Staatsanleihen. Jetzt geht der Kreislauf aus Sicht der Bank umgekehrt, die Staatsanleihe und das Geld tauschen ihre Plätze. Aber an anderer Stelle findet eine bemerkenswerte finanzielle Revolution statt, Revolution hieß ja ursprünglich Umdrehung „. die Anleihen beziehen ein neues Zuhause, wo sie bisher nie waren oder sein dürften, bei der Zentralbank. Der Bund überweist die fälligen Zinsen nun an die Zentralbank. Nach Abzug ihrer Betriebskosten und eventuell anderer anfallenden Kosten überweist die deutsche Zentralbank, die Bundesbank, diese Zinsen als Teil ihres Jahresüberschusses zurück an den Bund. Eine Art von Umdrehung oder Revolution: Vom Computer der Deutschen Finanzagentur als Organ der Schuldenverwaltung des Bundes in Frankfurt ein paar Häuser weiter zum Computer der EZB und von dieser später zu einem Computer des Bundesfinanzministeriums in Berlin. Andere sagen: „Eine Hand wäscht die andere“ oder „Das Geld bleibt in der Familie“. Auf jeden Fall hat das Verfahren etwas Verstörendes.

Drittes Mittel der EZB sind Negativzinsen, die von der amerikanischen FED aus rechtlichen Gründen bisher abgelehnt werden. Wenn die Banken die Einnahmen aus dem Verkauf von Anleihen des Bundes bei der Zentralbank statt für die Kreditvergabe zu nutzen bei der Zentralbank stehen lassen, kostet sie das ein jährlichen Abschlag, die sogenannten Negativzinsen. Der Zinssatz liegt derzeit bei minus 0,4 Prozent und hat der Bundesbank und damit dem Stand in 2016 die Summe von 1,4 Milliarden Euro eingebracht. Wer hier an einen Dukatenesel denkt, liegt nicht ganz falsch, dagegen, wer glaubt, es trifft ja nur die Banken. Auch die Sparkassen müssen die Abgabe zahlen, was ihre Ausschüttung an die Gemeinden schmälert.

Der Euro und die Gefahren eines tragischen Kreislaufs

Bleiben wir beim Euro, unserem Geld. Und gerade hinsichtlich der in Europa angewandten Negativzinsen, d.h. vor allem bei „unserem“  Euro zeigen sich nicht nur die geldpolitischen Grenzen des modernen Geldes, sondern offenbart sich die Gefahr eines tragischen, historischen Kreislaufs des Geldes vom Zünder des Aufschwungs über den Retter des Aufschwungs zum Zerstörer des Aufschwungs und gar tiefer politischer Brüche in Europa bis hin zum Initiator der Auflösung der EU und von sich selbst.

Das bekannte Gefälle: Nord-Süd

Die Südländer werden durch die EZB, d.h. mit Hilfe des Geldes, in eine Art wirtschaftliches Sanatorium geschickt. Allerdings hat dieses Ambiente seine unüberwindbaren, eingebauten  Nachteile und Nebenwirkungen, die durch die bekannte und abgenutzte Formel, dass der Reformwille erlahmt, wenn die Dinge der Politik zu leicht gemacht werden, nur unvollständig erfasst werden. Das europaweit um sich greifend Entstehen von sog. Exit-Tendenzen äußert ja durchaus einen Willen, auch zur Reform, aber jetzt des Systems selbst. Immer mehr fallen Worte wie „Neuanfang“ oder „das Ganze umkrempeln“, „mal eine Chance geben“ und Ähnliches. Im wirtschaftlichen Sanatorium entsteht eine eigene politische Pathologie der Desillusionierung, der Anti-Establishment-Gefühle und der Sehnsucht nach etwas völlig Neuem. Interessanterweise taucht dabei ein sozial-moralischer Wunsch nach mehr sozialer Kohäsion und Solidarität auf, der teilweise auf die Gemeinschaftsidee der alten Formel Nation zurückgreift. Renationalisierung, Nationalismus, Rechtspopulismus und Fremdenfeindlichkeit münden in ein breites Spektrum von politischen Debatten, die hier nur als Problem angedeutet werden.

Für das Geld und seine Zukunft insbesondere den Euro ist dieses politische Umfeld sehr relevant, da Exit immer neue Währung und damit neues Geld bei gleichzeitiger Erschütterung des Euros selbst bedeutet. Dahinter steckt ein abstrakter, methodischer Zusammenhang von großer Tragweite. Wenn dem Geld eine so große Rolle bei der Beeinflussung von wirtschaftlichen und sozialen Verhältnissen eingeräumt wird, gibt es doch keine Garantie dafür, dass es nicht einmal einen Rückschlag in umgekehrter Richtung von den sozialen und politischen Verhältnissen auf das Geld selbst gibt. Wenn sich Geld vom Substanz hinterlegten Objekt zum substanzlosen Schuldgeld entwickelt hat, ist das nur ein Aspekt. Denn es hat sich Geld zugleich zu einer sozialen und politischen Übereinkunft für ein wirtschaftliches Verfahren vollkommen verändert. Es ist dann eben in einen Konnex eingebettet, der jederzeit neu definiert werden kann.

Hier ergeben sich interessante historische Bezüge. Die englische Notenbank entstand mit privatem Geld aus einer privaten Initiative zur Unterstützung des Staates und seiner Finanzen. Die Deutsche Reichsbank verklammerte Geld und Staatsbildung. Das ganz moderne Geld wird vom Staat garantiert, im Mehrländerkonstrukt des Euro geht diese Verklammerung aber noch weiter. Nicht der Staat garantiert das Geld. Sondern das Geld, sprich Euro sichert den Staat, wie Italien, Griechenland oder Spanien. Bis zu dem Punkt, wo diese Sicherung nicht mehr gewollt wird.

Ökonomische und soziale Divergenzen

Das zugrunde liegende Problem des „wirtschaftlichen Sanatoriums“ der gemeinsamen Niedrigzinsen für alle Länder der Eurozone ist ökonomisch gesehen eigentlich unlösbar und wird weiter Sprengkraft für den Euro entwickeln. Schon der damalige EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso warnte diesbezüglich im Jahr 2010 ganz explizit und sehr eindringlich vor einem möglichen Auseinanderbrechen der EU.

Warum haben wir auf der Welt der Menschen eigentlich Unterschiede? Stadt, Land, große, kleine Städte? Differenzierung und Entleerung, Urbanisierung, sog. Ecosysteme der Innovation wie San Francisco, London oder auch Berlin, dagegen Landflucht sind in gewisser Weise ökonomisch logisch angelegt, wenn sie nicht obendrein wie industrielle Mittelstandsregionen in Deutschland oder Norditalien historische Grundlagen haben.

Es gibt eigentlich keinen Grund dafür, dass Adidas ein moderne Maschine zur halbautomatischen Schuhherstellung in Süd- oder Mittel-Italien installiert statt in der Nähe seines Firmensitzes und seines Stammwerkes, es sei denn das Unternehmen folgt seinen Absatzmärkten, die aber auch nicht in Italien liegen würden. Es gibt keinen, außer einem sehr persönlichen Grund dafür, dass ein begabter und ideenreicher junger italienischer Ingenieur nicht im Norden Italiens sein Glück versucht und stattdessen im deindustrialisierten Süden. Statistisch und mathematisch nachweisbar ist die eigentlich triviale Erkenntnis, dass es nur kleiner Anfangsveränderungen und konstant einheitlich wirkender Folgebewegungen bedarf, um zu einer Ungleichverteilung  einer anfangs gleich verteilten statistischen Masse zu kommen.

Verallgemeinert, was auch anerkannt ist: Unter dem Euro wie im Prinzip unter jeder Währung wachsen die Zentren und veröden die Ränder und weniger wettbewerbsfähige  Regionen, bzw. kommen nicht auf die Beine, wie man so sagt. Oder: Die wirtschaftlichen Dynamiken gleichen sich nicht an, bleiben unterschiedlich oder gehen sogar noch weiter auseinander. Je weiter der Raum, desto größer der Differenzierungseffekt.

Dagegen staatliche Homogenisierung

Völlig anders die Mechanik auf die Staatshaushalte ganz speziell unter dem Euro. Beispiel Italien. Die EZB senkt die Zinsen auch für die italienischen Anleihen so tief, dass der Staat Defizite weiter bequem finanzieren kann. Die Niedrigzinsen stabilisieren bzw. gleichen die bisherigen politischen Verhältnisse und Verfahren dem Prinzip nach in allen Ländern an. Sie lösen in ihrer Wirkung vollkommen anders gerade keine Differenzierungseffekte aus, sondern ermöglichen allen die gleich bequeme Staatsschuldenfinanzierung .Sie senken gerade den parlamentarischen Reformdruck. Beides konträr angelegt, ökonomische Divergenzen und stabile parlamentarische und administrative Verhältnisse in Rom, verstärkt die Ungleichgewichte und Spannungen in unserem Beispiel Italien – mit sozialen Wirklichkeiten, die zwischen Norden und Süden nicht größer ausfallen können. Das ideale Klima für Exit- oder Sezessionsbewegungen, deren Druck sich kontinuierlich weiter aufbaut. Diese Spannungen mildern sich, aber bleiben bestehen, auch dann, wenn die Wirtschaft Italiens wie aktuell wächst, aber seine Staatsschulden noch immer stärker als die Wirtschaft wachsen. Eine eigene Währung würde den Druck hingegen auf die Politik in Rom erhöhen, allein schon über den Außenwert.

Verallgemeinert bedeutet dies eine systematisch angelegte Gefahr von Ungleichgewichten nicht nur geografisch-ökonomischer Art innerhalb Europas oder auch innerhalb von Regionen der Staaten selbst, sondern noch schlimmer diese verhindern oder bremsen deren Rückkopplung auf vorhandene, aber nicht genutzte politische Korrekturmechanismen oder bremsen diese aus. Im Klartext: Gelder, die in schwache Regionen fließen und teilweise versickern, legen dort das politische System lahm.

Daher will sich in Italien der Norden vom Süden trennen und nicht umgekehrt. Analog Griechenland: Die arme Bevölkerung will dort den Euro behalten, die reichen Deutschen denken über den Grexit nach.

EZB

In gewisser Weise sind diese Gefahren allen bekannt, und kennzeichnet die EZB  ein auffällig hohes Maß an taktischer Anpassungsfähigkeit an veränderte Lagen und eine bedenkliche Tatkraft bei der Veränderung dessen, was sich Geld nennt. Das geschilderte italienische Problem wird sie eben wieder nur als „Lage“ ansehen, die verändert werden muss.

Alles kann die EZB und ihr Geld wie gesagt nicht. Auch ihrer Kreativität sind Grenzen gesetzt. Eine Option kann eigentlich nur der verstärkte Ankauf von Italien-Bonds sein, um die Zinsen dort weiter zu drücken. Der Südstaaten-Anteil in dem Portfolio der EZB erhöht sich überproportional, normalerweise als steigendes Risiko aufgefasst. Welches Risiko? Würde seitens der EZB gefragt. Italien kann nicht pleitegehen, wir kaufen immer mehr Anleihen, die Zinsen auf diese Anleihen überweisen wir gemäß dem schon oben besprochenen Verfahren über die italienische Notenbank zurück an den italienischen Staat, d.h. das Finanzministerium in Rom. Wo liegt das Problem? Könnte aus dieser Sicht gefragt werden.

Totales Geld, Macht des Geldes, Macht des Volkes

Im Jahre 2014 spekuliert ein amerikanischer Hedgefonds gegen die französischen Anleihen und damit französischen Staatsschulden, die langfristig nicht tragbar seien. Das Jahr, in dem dann unter der EZB die neue Runde des sog. Quantitative Easing in Europa begann und die Staatsanleihen, auch die Frankreichs wieder stiegen, also genau umgekehrt. Alle Positionen und die Natur des Geldes werden jetzt holzschnittartig deutlich: Gegen einen Staat der Eurozone zu spekulieren, heißt gegen die EZB zu spekulieren, und ist damit aus finanziellen Aspekten sehr gefährlich.

Das Geld in Europa entmündigt die Staaten und schützt sie. Das Geld ist aber nicht in der Lage, die ökonomischen Ungleichgewichte zu beseitigen, verstärkt sie auf jeden Fall. Die ökonomischen Ungleichgewichte wirken zurück auf die Akzeptanz des Politik in der benachteiligten Ländern und früher oder später auf die Akzeptanz Euro und Europa, siehe FN in Frankreich und Frexit. Es kommt ferner überwiegend zur systematischen Divergenz der Einstellungen gegenüber dem Euro: Das Duo Staat und Politik fast ausnahmslos positiv, innerhalb der Bevölkerung entsteht dagegen nahezu in allen Staaten auf jeden Fall eine Kluft zwischen Befürwortern und Gegner des Euro bzw. der EZB-Geldpolitik. sogar im Euro-freundlichen Land Deutschland startete Newcomer AfD mit einem Programm gegen den Euro.

Das Risiko für den Euro kommt aus diesen Problemen und der Art wie Politik und EZB mit diesem Problem interagieren. Geld ist demnach schon längst keine statische Definitions- oder Machtfrage mehr, sondern ein dynamisches Strategiespiel, indem es nur momentane Spielstände gibt, die immer wieder überdacht werden müssen. Der starken Machtposition der EZB steht letztlich eine ebenso starke, aber nur potenzielle und hinsichtlich ihrer Folgen unsicheren Exitoption von einzelnen Ländern gegenüber. Der griechische Notenbankchef sieht sein Land im Grexit-Fall auf einer Höhe mit Albanien. Die Griechen selbst würden die Option mehrheitlich wohl ebenfalls nicht wollen. Aber: Geldpolitik enthält das Wort Politik. Politik war immer bisher letztlich eine Sache der Polis, der Bürger. In Eurozone und  EZB schwebt die Geldpolitik über der Polis und den Bürgern.

Ein Kommentar

Zu diesem Trio Bürger, Politik und ökonomische Divergenzen noch ein letzter Kommentar, der uns den schwierigen Weg der Erkenntnis über die Zukunft des Geldes offenbart, wie doch Licht in die Frage gebracht und zugleich das Problem verdunkelt wird. Im „Handelsblatt Morning Briefing“ schreibt der bekannte Gabor Steingart  am 9. März 2017:

„Nach der Ratssitzung der Europäischen Zentralbank stellt sich ihr Präsident ab 14.30 Uhr den Fragen der Presse. Für Diskussionsstoff dürfte die höhere Inflation in der Euro-Zone sorgen. Die Preise im Währungsraum waren im Februar um 2,0 Prozent gestiegen. Wer deshalb mit einer Änderung der Zinspolitik oder einer Reduktion der milliardenschweren Anleihekäufe rechnet, verkennt den gewandelten Charakter der EZB. Zentralbank steht drauf, aber im Innern wird Politik betrieben. Draghi ist kein Währungshüter in der Tradition der Bundesbank, sondern ein europäischer Schatzkanzler.

Einigen Ländern Europas, darunter auch Deutschland, Spanien und Irland, hat die Politik des billigen Geldes gutgetan. Italien nicht. In einem an Klarheit kaum zu überbietenden Handelsblatt-Interview sagt der ehemalige EZB-Chefvolkswirt Otmar Issing: „Italien hat seit Beginn der Währungsunion im Grunde kein Bein auf den Boden gebracht.“ Der Grund? Issing: „Ich kenne so viele intelligente Leute und innovative Unternehmen in Italien. Da ist ein riesiges Potenzial. Aber die Politik lässt dieses Potenzial verkümmern.“ Der Euro ist ohne Schuld?“  Issing: „Die politische Klasse in Italien hat versagt und sucht einen Sündenbock.“ Man wünschte, das wäre eine Polemik.“

Zustimmung und Kritik drängen sich auf.

• „Draghi – ein Schatzkanzler?  Ja, weil er den Staaten einen letztlich unverdienten Finanzierungsspielraum eröffnet. Nein, weil die Notembank, noch viel mehr als ein Schatzkanzler,  über den realen Wert von Schulden und Vermögen entscheiden kann.
• „Die politische Klasse in Italien hat versagt und sucht einen Sündenbock.“ Die Wahrheit ist leider eine andere, und der Widerspruch  zur These des Schatzkanzlers erschließt sich nur auf den zweiten Blick. Schatzkanzler handeln generell immer im Interesse des Staates und seiner politischen Klasse. Warum sollte es bei der EZB anders sein? Und speziell: Die Niedrigzinspolitik und insbesondere die Aufkäufe von Staatsanleihen, die sogar jetzt verstärkt auf die Anleihen der Südländer ausgedehnt werden sollen, stützen genau diese, nach den Worten Issings versagende politische Klasse. Das ist doch  Euro. Es wird leider das Thema nicht zu Ende gedacht oder zumindest nicht erweitert, wie es oben versucht wurde.

An der Trennlinie zwischen nach Wahrheit suchender Erklärung und bequemem Erklärungen entscheidet sich mehr als nur die Frage, ob die EZB ihre Ziele erreicht oder nicht, sondern, welche Zukunft ihr selbst beschieden sein wird. Sie thront zwar über allem und ist dennoch eine in Gesellschaft und Politik eingebettete  Institution. So entscheidet sich auch ihr Schicksal und das vom Euro letztlich politisch.

Helikoptergeld, CSPP und Aktienkäufe

Zur Frage der Zukunft des Geldes ist das Thema Zentralbank als Akteur, der die Grenzen der Ansichten und Ordnung sprengt, voll von weiteren für die Menschen auf erste Sicht eher unangenehmen Überraschungen, die über die voranstehende ausführlich diskutierte Finanzierung des Staates über Staatsanleihen weit hinausgehen. Die Idee eines Helikoptergeldes, das von der Zentralbank direkt an die Konsumenten zur Ankurbelung der Wirtschaft überwiesen wird, mag an amerikanischen Universitäten ihren Ursprung haben, sie wurde aber ziemlich schnell von den Zentralbanken (Ben Bernanke, ältere Experimente in Kanada oder wohlwollende Diskussion in Skandinavien u.a.) rezipiert.

Diese Grenze wurde zwar noch nicht überschritten, eine andere ja: Der Kauf von Unternehmensanleihen im Rahmen des QE der EZB ab Mitte 2016. Hier kaufen die nationalen Zentralbanken im Auftrag der EZB im Rahmen des sog. „Corporate Sector Purchase Programm“ unmittelbar Anleihen von großen Aktiengesellschaften, die nichts anderes zu tun haben, als schnell mit den daran zwangslogisch partizipierenden  Investmentbanken entsprechende Papiere aufzulegen, in der Erwartung eines Kaufs durch die EZB. Die Probleme liegen auf der Hand:
• Eingriff der EZB in das wirtschaftliche Geschehen als Verletzung des Gebots der Unabhängigkeit der Notenbank;
• Bevorzugung und Verbilligung der Finanzierung von Großunternehmen und entsprechende Benachteiligung von kleineren und mittleren Unternehmen, Ursachen von Wettbewerbsverzerrungen;
• Erhöhung der Gewinne von Kapitalgesellschaften und damit der Ausschüttungen an die Aktionäre, deren Besitzer sehr häufig Ausländer und deren Fonds sind; klare Beeinflussung der Einkommens- und Vermögensverteilung;
• darüber hinaus gibt es den Verdacht der Bevorzugung der Anleihen gerade von schwächeren Unternehmen (Spanien), was in gewisser Weise zwar Sinn macht, aber genauso eine Wettbewerbsverzerrung bewirkt;
• Erhöhung der Haftung für deutsche Steuerzahler: Im Falle der Käufe von Staatsanleihen haftet die jeweilige Notenbank zu 80 Prozent, 20 Prozent alle nationalen Notenbanken, bei den Unternehmensanleihen haften alle Notenbanken und damit deren Steuerzahler gemeinschaftlich;
• letztlich ein Programm zur Sicherung der Großunternehmen gegen die Gefahren des Marktes und einer Pleite, denn es ist davon auszugehen, dass die EZB und die nationalen Notenbanken alles tun werden, um einen Ausfall der von ihnen gekauften Bonds zu verhindern.
• Selbst wenn es verboten sein sollte. Ab Finanzkrise 2008 und eigentlich schon früher mit der Verletzung der Maastricht-Kriterien ist der Welt der Finanzen nicht nur eine der privaten, sondern auch staatlichen Rechtsbrüche. Siehe die Hilfen von Staaten der Eurozone für andere notleidende Staaten, die laut EU-Vertrag klar verboten sind. Wenn es Steuervermeidung gibt, gibt es mit dem ESM in Luxemburg auch ein System der Rechtsvermeidung.

Die Aktienkäufe durch Zentralbanken stellen bislang die äußerste Ausdehnung der Aktionsspielräume der Zentralbanken dar. Weitgehend unbemerkt erfolgen solche bislang undenkbaren Käufe, wenn eine Zentralbank  den Kurs ihrer Währung verteidigt, beispielsweise, wenn die Schweizer Nationalbank (SNB) Schweizer Franken verkauft und dafür Euro kauft. Mit den Euros kauft sie nun Aktien in Frankfurt. Ausgestattet mit ihren riesigen Finanzmitteln kann jede Zentralbank dann mit großer Wahrscheinlichkeit „ihre“ Wertpapiere gegen Kursverluste schützen. Hatte das amerikanische Federal Reserve System noch den einzelnen Unternehmen in der Welt Liquiditätshilfen direkt gewährt, ist nun eine Etappe erreicht, bei der die Zentralbanken im Falle von Krisen wohl in die Börsenkurse eingreifen und sozusagen „Kurshilfe“ gewähren werden. Auch hier sind die Stichworte Wettbewerb, Verteilung und letztlich politische und ökonomische Ordnung, für die die Formeln „Kapitalismus“ oder der beliebte, aber nichtssagende „Turbokapitalismus“  realiter schon außer Kraft gesetzt wurden und längst viel zu kurz greifen. Auch nicht „Staatskapitalismus“, vielleicht eher passend „gemeinsamer Rudelkapitalismus“.

Endstand

Die meisten Spiele gehen aber doch irgendwann zu Ende, zumindest in einzelnen großen Runden oder Folgen. Was könnten solche Endstationen, Endstände für den Euro und das Geld auf dem europäischen Kontinent sein? Welche Schachzüge sind zu erwarten?

Transferunion

Sie gibt es schon. Die Verlängerung der Rückzahlung seiner Staatsschulden wäre Griechenland alleine nicht gelungen, das Land hätte einen Staatsbankrott erlebt, ist die gängige Version, die nicht falsch, aber typisch für die Halbwahrheiten politisch-ökonomischer Diskussionen in der Öffentlichkeit erscheint. Griechenlands Aufnahme in die Gemeinschaft der Euroländer war bereits ein Transfer von Goodwill, aber nicht der Anfang, es begann schon viel früher mit der bloßen Inaussichtstellung eines solchen Schrittes. Ähnliche Vorgänge zeichnen den Beitritt anderer Länder aus. Im Interesse der Erhaltung des Euros kollidieren zwei Positionen, was das zukünftige weiterhin unlösbare Dilemma offenbart: Aus EZB-Sicht ist alles gut, was Ausgleich und größere Einheiten schafft, Eurobonds bis hin zur Bankenunion. Aus politischer Sicht und hinsichtlich der Akzeptanz der Bevölkerung gilt seitens der Transferierenden: Je mehr Transferunion, desto größer das Risiko für Exits. Und zwar aus der Gruppe der transferierenden Länder, wenn eine Schmerzgrenze erreicht ist. Dieses Risiko für den Euro lässt sich nur dann vermeiden, wenn der Transfer zu so viel Wachstum autonomer Art in den Empfängerländern führen würde, dass der Transfervorgang auf absehbare Zeit sich von selbst erübrigt. Die Erwartung erscheint unrealistisch. Letztlich scheidet damit die Lösung aus.

Staatsschulden auf Eis

Die EZB betreibt heute bereits massiv durch den Ankauf von Anleihen eine Politik der Neutralisierung von Staatsschulden, die im Augenblick bei einer Grenze von ca. einem Viertel des gesamten Volumens der jeweiligen Anleihen stoppt. Der bereits dargestellte Kreislauf der Zinszahlungen für die Anleihen von Staat zu EZB und wieder zurück zu Staat bedeutet Nullzins und über die Negativzinsen wie geschildert einen zusätzlichen trickreichen Gewinn für das jeweilige Finanzministerium. Unabhängig von der Frage, wie weit rein rechtlich die EZB das Verfahren ausweiten kann ohne auch einen Verlust in das Vertrauen in den Euro und damit das Geld bei der Bevölkerung von Ländern wie Deutschland zu verlieren, löst sie damit nur ein Staatsschuldenproblem, aber nicht das politische und ökonomische Grundproblem des oder der jeweiligen Länder. Sie verschärft es sogar: Das Grundproblem vieler EU-Länder ist, nochmal, das Wachstum, und jede Stabilisierung schwacher und ineffizienter politischer Systeme kann nur negative Rückwirkungen auf deren ökonomische Systeme haben. Tendenziell übernimmt die EZB dennoch heute immer mehr die Rolle einer großer Bad Bank für Staatsschulden. Selbst wenn es keine legalen Hindernisse für diesen Prozess gäbe, stellt diese Lösung eine Sackgasse dar.

Staatsbankrotte

Staatsbankrotte sind der klassische Weg aus der schuldenfreies eines Staates und haben volkswirtschaftlich gesehen sogar etwas Heilsames, aber eine hässliche Seite für die Anleger. Wenn die EZB solche nicht mehr bediente Anleihen im Portefeuille hätte, würden die Verluste auf die Mitgliedsländer der Eurozone als Gesellschafter der EZB gemäß den jeweiligen Gesellschafteranteilen durchschlagen. Die sich daraus ergebende politisch brisanten Situationen (Anlegerverlust, Zusammenbruch der Sozialsysteme etc.) lassen sich vielleicht durch Schuldenabkommen und Übergangshilfen verhandeln bzw. mildern. Aber damit werden immer noch nicht zukünftige strukturelle Wachstumsprobleme der bankrott gehenden Staaten gelöst. Je eleganter der Staatsbankrott gelöst wird, desto interessanter erscheint der Weg. Entweder ein Staatsbankrott tut weh und führt zu grundlegenden Änderungen, oder jeder reibt sich die Hände und freut sich des besseren Lebens unter der Sonne, während die Anderen das bessere System haben, erfolgreicher sein mögen, aber dann doch ihren Urlaub in den bankrotten Ländern verbringen, weil es dort so schön ist. Diese krude Skizze kommt einem bekannt vor mit Blick auf bestimmte Erscheinungen in Sozialsystemen.

Vertrauen

Allerdings auch hier gibt es Grenzen. Eine Grenze ist der Faktor Vertrauen. Ein Geld der flotten Staatsbankrotte seiner Mitglieder verliert sicherlich sehr schnell das Vertrauen aller. Andererseits: Wenn Geld nicht einmal mehr eine Garantie für Wert, sondern nur noch ein ökonomisches und wirtschafts-/geldpolitisches Instrument im momentanen Einsatz für den jeweiligen Augenblick, um Ergebnisse und Wohlstand und Wohlfahrt in einer es benutzenden Gemeinschaft nachhaltig zur erzielen, dann bemisst sich doch seine Wertschätzung an dem Erfolg dieser Gemeinschaft. Das war auch die Stärke des Dollars, selbst wenn er fiel. Da wurde immer noch die „strong Dollar-Policy“ hochgehalten. Für den Euro, eine junge Währung, wird es nicht anders sein. Wie gut läuft „sein“ System?

Und wenn es das tolle System in der gesamten Eurozone, die starke politische Macht, die eine starke Hand usw. nicht gibt, dann besteht hier ein gefährliches Defizit, denn alleine Deutschland als Garant reicht nicht für die Zukunft der Eurozone. Selbst wenn es für die Investoren das interessanteste Land ist. Das ist die andere große Grenze für den Euro und die EZB, selbst wenn letztere in Frankfurt zu Hause ist und es damit einen psychologischen Imagegewinn für den Euro geben mag. Eine breite Vertrauensbasis in der Bevölkerung für den Euro quer durch die Eurozone wäre ein idealer Endstand, aber auch dieser Endstand rückt derzeit in immer weitere Ferne.

Exits

Immer wieder wird damit das Dilemma der Akzeptanz des Euro deutlich: Hoch bei Staat und den aktuellen Regierungen, erodierend bei den Schwach-Wachstumsländern, kritisch überall in Sachen Transfer. Je länger dieser Zustand anhält, umso wahrscheinlicher werden Exits aus dem Euro, wenn nicht aus der EU in Verbindung mit anderen Problemen. Der Brexit ist fast als ein Sonderfall zu betrachten.

Die Entfernung Griechenlands aus dem Euro mittels eines von außen erzwungenen Grexits wird zwar in der Öffentlichkeit gefordert, aber widerspricht der Logik politischer Staaten im Verbund, wo vereinfacht gesagt keine Krähe der anderen die Augen aushackt, wo bemerkenswerterweise die Afrikanische Union es nicht einmal schaffte den Diktator von Zimbabwe zu verurteilen, von der UNO und der Zusammensetzung ihrer Mitglieder hinsichtlich deren politischer und demokratischer Kulturen ganz zu schweigen. Die Solidarität von Staat zu Staat kann sehr hoch sein.

Exitgefahren drohen dem Euro aus der Tiefe des demokratischen Systems, einmal aus Wahlergebnissen in Schwachwachstumsländern, wenn dort die passenden Umstände zusammen kommen, wie lange wirtschaftliche Durststrecken und die Seele der Wähler ansprechende politischen Figuren. Diese Gefahr wächst ganz offenkundig. Und jede verlorene Wahl der Eurogegner bedeutet keinesfalls das Abflauen der Gefahr. Dem Festhalten der Menschen am Euro allein aus praktischen Alltagsgründen, der Angst vor Veränderungen, d,h. der institutionellen Verankerung des Euro im System steht in etlichen Ländern und Regionen ein genauso flüchtiges und variables Gefühl der Ablehnung und Benachteiligung gegenüber. Selbst in Anbetracht der zweifellos großen Geschicklichkeit der Personen an der Spitze von EU und Eurozone ist das letzte Wort in Sachen Exits nicht gesprochen.

Brexit und andere

Das Brexit-Votum, unabhängig wie der Brexit nun und überhaupt ablaufen wird, betraf nicht einen Austritt aus der Eurozone, denn Großbritannien hatte ja seine eigene Währung, sondern um den Austritt aus der EU. Es war per saldo das Votum  ökonomisch eher schwacher Landesteile in einem ansonsten ökonomisch eher starken Land. In Frankreich, Italien oder den Niederlanden, ökonomisch keinen Leichtgewichten, werden die Warnschüsse der Anti-EU-Bewegungen oder Protestparteien immer stärker. Gibt es eine Garantie dafür, dass das immer nur Warnschüsse bleiben?  Gibt es eine Garantie dafür, dass Länder wie Deutschland auf Gedeih und Verderben immer in der Eurozone bleiben würden und sich hier nie ein Anti-EZB-Gefühl entwickeln könnte?  Auch hier gibt es Reibungspunkte und potenzielle Konflikte, die sich nur verstärken können:
• Ökonomisch profitiert Deutschland einerseits von den Ungleichgewichten in der Eurozone. Seine Wachstumsraten und Beschäftigungsquoten sind überdurchschnittlich hoch.
• Bekanntermaßen trägt es ein höheres Risiko für die Anleihen in der EZB-Bilanz oder im ESM, Luxemburg. Und ist gemessen an seinem wirtschaftlichen Gewicht mit einer Stimme wie alle anderen unterrepräsentiert im Entscheidungsgremium der EZB.
• Aber weniger beachtet: Als reiches Land verliert es durch das erklärte Inflationsziel der EZB gerade überdurchschnittlich an realem Geldvermögen. Dies betrug Ende des zweiten Quartals 2016  über 5.400 Milliarden Euro. Zwei Prozent Inflation davon bedeuten 108 Milliarden Euro Realverlust.
• Wie weit kann der Trend zur Transferunion gehen, bis auch hierzulande der Exit-Ruf ertönt?

Parallelwährungen

Bereits für Griechenland wurde hier und da in den Medien die Einführung einer Parallelwährung für Griechenland angedacht. Neuerdings wird in Italien ebenfalls die Idee einer Parallelwährung ins Spiel gebracht. Neben dem Euro als internationaler Währung kursiert dann eine zweites nationales Geld. Im Fall Griechenland stand die rein praktische Suche nach einem von der Troika unabhängigen Verfahren zur Beschaffung von Mitteln für den laufenden Betrieb von Staatsapparat und  Sozialsystem in Vordergrund. Im rezenten Fall Italien geht es bei der Idee sicherlich um Profilierung von einzelnen Politikern, die aber damit ein politisch nicht erloschenes, vielleicht wieder auflebendes Motiv der Bevölkerung nach nationaler Selbstbestimmung und Befreiung vom „fremden Geld“ ansprechen.  Auch das ist eine schwache Seite des Euros. Mal hieß es, die Deutschen hätten ihre D-Mark gegen den Euro auf dem Altar der Franzosen für deren Zustimmung zur Wiedervereinigung geopfert oder für sonst was. Mal ist der Euro dann aber genau das Gegenteil: die „europäische Mark“ oder das Mittel der Deutschen, Europa zu knechten.

In der Parallelwährung fallen Politik und Geldhoheit wieder in der Nation als dem verbindenden Prinzip der Menschen zusammen. Aus der Souveränität des Staates folgt auch sein Geld, wie es in der modernen Phase des Geldes immer war. Die Befürworter des Parallelgeldes drehen diesen Zusammenhang heute nur um: Die neue Parallelwährung wäre für sie ein Mittel zur Rückgewinnung nationaler Souveränität gegenüber fremder Herrschaft. Während die Deutschen den Euro eher als praktisch oder europäisch-integrierend betrachten. Souveränität gegen Integration:  Diese Spannung steigt wieder und verheißt  nichts Gutes, wo andere weiter drauf hoffen, dass alles einmal eins in Europa wird.

Im Leben kommt es immer auf die Situation an. Im Falle des Dollars als Parallelwährung zu den nationalen Währungen Südamerikas ist der Dollar für die Menschen dagegen eine Alternative zum instabilen Geld von Staat und Politik. Der Gedanke der auf  Souveränität basierenden  Parallelwährung ist aber deswegen nicht ganz falsch. Ideen wie lokales  Geld oder alternative Währungen basieren ja alle auf dem Gedanken, dass zur Gültigkeit des Geldes ein soziales Element gehören kann aber nicht muss. Alternatives Geld wie Bitcoins, die in manchen Kreisen schon die Rolle einer Parallelwährung einnehmen, soll anders als „unser“ Geld in der Menge endgültig begrenzt sein, also Stabilität versprechen. Und es wird fleißig damit spekuliert.

 

Aktuelle Ideen

Kurz nach der Finankrise bemühte der Wirtschaftswissenschaftler Bofinger Walt Disney zur Eklärung der Finanzkrise. Hier ein Zitat aus 2009:

„Auch Politiker und Professoren bemühen den Tycoon aus Entenhausen, wenn sie Gründe und Folgen des Finanzdesasters aufzeigen wollen. So greift etwa der prominente Würzburger Volkswirt Peter Bofinger gern auf den plattfüßigen Geizhals aus Entenhausen an der Gumpe zurück. Die Ursache der Krise sieht der Wirtschaftsweise in „globalen Ungleichgewichten“  zwischen zehn „Dagobert Ducks im Milliardenmaßstab“, vornweg China und  Deutschland, die „unglaublich viel gespart haben“, und zehn anderen Ländern, „die unglaublich viel Geld rausgeschmissen haben“, vor allem die USA. „Schluss mit dem Dagobert-Duck-Deutschland“, lautet daher die Devise Bofingers, der dem Bund zur Überwindung der globalen Kluft Milliardeninvestitionen in die Bildung empfiehlt.“ Welche Bildung wird damit gemeint, in Deutschland oder im Ausland? Mit welchem Geld? Aus Handelsbilanzüberschüssen, die nur eine statistische Größe im Eigentum von Unternehmen sind? Unmöglich.

Oder aktuell in 2017: Das geplante BMW-Werk in Mexiko, das vorraussichtlich vor allem für den amerikanischen Markt produzieren wird, und für dessen Lieferungen in die USA Präsident Trump eine Importsteuer von 35 Prozent zu erheben gedenkt. Drama und Naivität offenbar sich. Wohlhabende amerikanische Autofahrer (BMW-Fahrer) profitieren von fremden Arbeitsplätzen und kassieren über ihre BMW-Aktien die Dividenden von der angestrebten Kostensenkung, sprich Gewinnsteigerung und höheren Dividenden. Die Idee des Freihandels mutet hier fast naiv an. Andersherum bahnt sich ein Drama an, zumindest eine tiefgreifende Änderung. Denn wenn das Beispiel Schule machen würde, würden auch Arbeitsplätze in den Exportsektoren der deutschen Volkswirtschaft entfallen. Mit allen erdenklichen Konsequenzen. Es wäre zu leicht zu behaupten, der amerikanische Präsident an einer für den Welthandel und weltweiten Arbeitsteilingn gefährlichen Schrauben. Ein Schraube ist nur gefährlich, wenn sie an einer explosiven Sache angebracht ist. Und das ist der Welthandel.

Was hat das mit Geld zu tun? Unabhängig davon, dass oben die Zusammenhänge von Geld; Kreditmöglichkeit und globalen Ungleichgewichten dargestellt wurden, wird vielleicht der Zusammenhang aus einer uralten Entstehung des Begriffs „financier“ deutlich. Der „financier“ taucht ab ca. dem Jahre 1450 in den uns erhaltenen Schriften auf, als die Person, die sich um Geldangelegenheit kümmert, ab 1549 ganz speziell um die hoheitlichen Finanzen. Es wurde kein Begriff gewählt, der sich aus dem Geld ableitet, sondern, aus den Geldangelegenheiten, was damit gemacht werden kann und wo es eingesetzt und gesammelt wird. Geld hat immer diese funktionale Dimension gehabt und wird sie immer besitzen. Und kann daher irgendwann auch disfunktional wirken. Nicht anders als ein ausfallender Blinker, der hektisch anfängt zu blinken und damit seine Funktionsunfähigkeit anzeigt.

Renationalisierung der Währungen in Europa

Bei Geld ist es demzufolge offenbar kaum möglich, Politik und Menschen auf eine einzige Linie festzulegen, wie das generell bei jeder sozialen Konstruktion, und Geld ist eine soziale Konstruktion, der Fall ist.Der Euro-erzeugt, wie dargestellt,  in einer nationalen Vielfalt ohne gemeinsame Sprache und gemeinsamen Arbeitsmarkt und gemeinsame Regelungen der Berufsausbildung eine Vielfalt von nationalen Spannungen .Was liegt eigentlich näher, könnte man fragen, als eine komplette Demontage des Euros und die Rückkehr zum machbaren Ziel einer gemeinsamen Freihandelszone? Die Währungen können je nach nationaler Wettbewerbsfähigkeit auf- und abwerten, Politik muss für die eigene Währung „liefern“ und kann sich nicht mehr rausreden. Für diejenigen, die den Euro wollen, existiert er weiter als Parallelwährung.

Der in Deutschland  sicherlich verpönte Gedanke wird hier nur angerissen, immerhin mit dem Hinweis, dass andere anders darüber denken und eine starke Neigung in Europa entstanden ist, gegen andere Nationen zu wettern. Mit seiner starken Mark hatte Deutschland eigentlich weniger politische Schwierigkeiten als mit dem Euro. Die Mark wurde bewundert und begehrt, aber nicht gehasst. Anders bei Euro, der jetzt gerne als „Diktat“ der Deutschen diffamiert wird. Und es bleibt offen, ob Deutschland dieses Image je abschütteln könnte, auch im Fall einer beginnenden Transferunion. Es wäre interessant festzustellen, ob es eine Parallele beim Euro zur bekannten  und nachgewiesenen „Tragik der Allmende“, d.h. unüberwindbaren Funktionsdefiziten von Allgemeingütern gibt.

Doppelter Euro

Eine Variante der Renationalisierung des Euro ist im Prinzip die Aufspaltung der Euro-Zone in Norden und Süden. Aber genau wie der „Grexit“ kommt auch diese Idee vor allem aus Deutschland, was schon wieder fast gegen sie spricht. Und außerdem, wie sollte sie verwirklicht werden, in einem System, in dem Deutschland  und auch die Nordländer in den europäischen Gremien und ganz zu schweigen von dem EZB-Rat eher in der Minderheit sind?

Neuer Goldstandard

Noch weiter gehen Ideen wie die Rückkehr zu einem neu formulierten Goldstandard oder einer anderen, real hinterlegten Währung, die alle aber gegen das Prinzip der letztlich politisch gewollten Währung ankämpfen. Geld ist eine politische Sache geworden. Im Zeitalter der Demokratie gibt es da kein Entrinnen.

Implosion im „Schwarzen Riesen“

In der Astronomie wird der Schwarze Riese das Endstadium einer Sonne nach ihrer Explosion in einer Supernova genannt. Ist das moderne Geldsystem die Supernova? Nochmal zum Schuldgeld: Ein Lieferant gibt seinem Kunden  einen Kredit, der Kunde kauft die Maschinen und zahlt vielleicht nur Zinsen auf diesen Kredit  und generiert derweil auch Einnahmen und Gewinne. Und der Maschinenlieferant kann eine neue Maschine bauen. China gewährt den USA einen Kredit,  den die USA bedienen. Die USA erhalten die Waren aus China, China produziert weiter für die USA, beide Seiten kaufen Autos aus Deutschland.

Schulden haben die Basis für die Globalisierung gelegt, für das, was wir neuerdings  Globalisierung  (die viel früher eigentlich anfing) nennen. Ohne Schulden oder Kredite im internationalen Maßstab funktioniert dieses System nur durch immer wieder ausgeglichene Salden zwischen den Ländern. Die Konsequenz einer Schuldenreduktion, z.B. der Staatsschulden wären gewaltig und würden von uns als fatal empfunden, obwohl sie nur die Rückkehr zum Gleichgewicht bedeuten würden. Diese Rechnung gilt auch innerhalb der EU, ohne Defizite anderer Länder keine Target2-Forderungen, aber auch keine Exporte größer als Importe. Nicht umsonst gehört der Exportweltmeister zu den Ländern mit einer niedrigeren Schuldenquote  als die anderen. Was jeder versteht: Wir sind Exportweltmeister, weil die anderen auf Pump leben. Es ist einsichtig, dass das keine nachhaltige Lösung ist. Wir leben in einem Gleichgewicht des Ungleichgewichtes. Stabilisiert sich das Ungleichgewicht und fällt die Welt mit ihren Salden wieder auf die Füße ins Gleichgewicht, geraten wir ins Straucheln.

Perspektiven, Bankensystem und modernes Geld

Auf einem ganz anderen Blatt stehen Veränderungen wie Paypal, bargeldloses Zahlen, Abschaffung von großen Banknoten, finanztechnische Innovationen, Bitcoins und daraus resultierende Veränderungen des Bankensystems einschließlich der in China um sich greifenden Geldanlage in undurchsichtigen Trusts oder der angekündigten Deregulierungen in den USA, die den Vorsprung des amerikanischen Bankensystems gegenüber dem Rest der Welt und insbesondere Europas weiter verstärken dürften. Im Jahre 2016 erzielte die amerikanische Investmentbank J.P Morgan für sich alleine einen so hohen Überschuss wie die zehn größten europäischen Banken alle zusammen.

Das ist nicht nur laufende Hintergrundmusik der modernen Geldwelt, die die Menschen in Europa eher verängstigen, in den USA eher beflügeln. Hier kommt es stark auf die in Wirtschaftsräumen vorherrschenden Tendenzen in Mentalitäten und gesellschaftlichen Einstellungen an. Moderne Verfahren können gesetzlich reguliert und gerade im digitalen Zeitalter auch manipulativ zur Erreichung geldpolitischer Ziele genutzt werden. Der automatische Abzug von Negativzinsen auf dem Privatkonto hört sich schlimm an, erinnert doch in gewisser Weise an das seinerzeitige Verbot von Goldbesitz unter einem amerikanischen Präsidenten in den 1930er Jahren oder die eindeutig konfiskatorischen Steuersätze von 75 bis 90 Prozent, die es alle schon gegeben hat. Oder an das heute gängige „kleine“ Inflationsziel von zwei Prozent, dessen Erhöhung auf ganze 4 Prozent offen diskutiert wird, sogar mit dem Risiko eines Überschießens darüber hinaus. Wenn heute Gerichte zum Verhältnis von Geldpolitik zur Verfassung angerufen werden, entscheiden sich um das Geld nicht nur Fragen wie Steuerflucht oder Flucht in die anonyme Welt der Bitcoins oder steigende Goldpreise. Sondern an diesen Themen entzündet sich dann immer mehr das Verhältnis Bürger und Staat, und versammeln sich junge, antikapitalistische, weltverbessernde Geldreformer und Idealisten dann im selben Lager der Ablehnung wie bürgerlich-konservative Sparer. Entfremdung vom Staat, Loyalitätsverlust, Anti-Establishment-Gefühle prägen folgerichtig vermehrt auch die Haltung jener Schichten, die eigentlich genug Geld haben. Und nicht einmal Spaß dran haben. Dann ist auf Geld wenigstens in einer Sache auch in Zukunft Verlass: Geld alleine macht nicht glücklich.

Dr. Johannes Wierer

 

 

 

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