75 Jahre Ventotene

(Montag, den 22.August 2016) August 2016)

Europa lebt  von Gipfel  und Dokument. Heute Abend  treffen  sich die Regierungschefs von Italien, Frankreich und Deutschland Renzi, Hollande und Merkel, auf der Insel Ventotene vor Neapel, wo 1941 das für die europäische Einigung so wichtige Manifest von Ventotene verfasst wurde. Von berühmten Häftlingen unter Mussolini, die damit führende Köpfe der europäischen Nachkriegszeit wurden. 75 Jahre später soll diese Symbolik mithelfen, die europäische Stagnation zu überwinden. Vielleicht sollte man sich daher das Dokument mal anschauen.

Was sagt denn das Manifest von Ventotene? Hier eine kurze Zusammenfassung:

Die europäischen  Nationalstaaten sind eine Etappe im historischen Prozess des Fortschritts zur Überwindung  engstirniger Interessen (diese Interessen bezeichnet als „Kirchturmspolitik“) und zur Entwicklung „zivilisierter Gesellschaftsordnungen“. Doch diese Form ist nicht mehr zeitgemäß, denn „Sie barg jedoch in sich die Keime des kapitalistischen Imperialismus, den unsere Generation ins Riesenhafte wachsen sah, bis zur Bildung totalitärer Staaten und dem Ausbruch zweier Weltkriege.“ Die Nation ist zu einem „göttlichen Wesen“ geworden, das nur auf sich gerichtet ist und anderen Schaden zufügt….etc.  Die Nationen haben sich zu totalitären Gebilden und z.B. „Gebärmaschinen zukünftiger Soldaten“ entwickelt (Ziffer 1. 1)).

Diese Gegenreaktion wurde laut Manifest  insbesondere durch den Widerstand der privilegieren Klassen  (hier das Klassenargument) und durch die Konzentration wirtschaftlicher Macht unter Konzernen  („Bildung riesenhafter Industrien und Bankkonzerne“) und Gewerkschaften (sic!) hervorgerufen . Diese haben sich  durch den Missbrauch der liberalen demokratischen Rechtsordnungen die Macht über den Staat angeeignet: „So schuf sich nach und nach die Überzeugung Bahn, dass einzig ein totalitärer Staat unter Abschaffung der Freiheit des Volkes imstande sei, die Interessenkonflikte zu überbrücken, deren die bestehenden politischen Institutionen nicht mehr Herr zu werden vermochten.“. Weiter: „Damit garantierte man die parasitäre Existenz der müßigen Grundbesitzer und Rentner, deren einziger Beitrag zum Volkseinkommen darin besteht, dass sie Coupons schneiden; der Monopole und Trusts, die den Konsumenten ausnutzen und das Geld des Kleinsparers dahinschmelzen lassen; der Plutokraten, die hinter der Bühne die Fäden der Politiker ziehen in der Absicht, die Staatsmaschine ausschließlich in den Dienst ihres eigenen Vorteils zu stellen, unter dem Deckmantel der Vorstellung höherer nationaler Ziele. Unangetastet bleiben die kolossalen Vermögen weniger und das Elend der großen Massen, die ausgeschlossen bleiben von jeder Möglichkeit, in den Genuss der Früchte der modernen Kultur zu kommen.“  Und die Gewerkschaften verwandeln sich „in polizeiliche Aufsichtsorgane unter der Leitung von Beamten, die von der Herrschenden Gruppe ausgesucht werden und nur dieser Rechenschaft ablegen müssen“(Ziffer 1. 2))

Und nach der Niederlage Deutschland kann „diese reaktionäre Zivilisation des Weiterlesen

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Börsen 2016- Ein halbes Jahr und ein Tag

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Die Halbjahresbilanz für unsere sechs Aktienmärkte hört nicht am 30. Juni, sondern am 1. Juli, wieder einem Freitag, auf. Das passt ganz gut und sagt im Prinzip genau so viel über diesen Zeitraum aus: China und Japan etablieren sich mit ihren Kursen eher tiefer, was aber nicht heißt, dass Asien insgesamt stagniert. Australien liegt im Vergleich zu Ende 2015 fast pari, das im Chart nicht vertretene Indien ca. drei Prozent im Plus. Und rechnet man Russland zu Asien: Der in Dollar gerechnete RTS kommt von 757 Ende 2015 und steht bei 933 am 1. Juli 2016. Südamerika „läuft“ ebenfalls gut. Die brasilianische Börse konnte sich klar abheben, ebenso wie die ebenfalls nicht betrachtete chilenische Börse. Die große Wall Street zeigt sich stabil, der nicht dargestellte London-FTSE ist trotz Brexit-Votum im Plus, deutsche Aktien ziehen zusammen mit anderen europäischen Werten den EStoxx50 eher ins Minus von 3.268 auf 2883 Zähler. Ein gemischtes Bild, das aber von der trüben Jahresanfangsstimmung sich deutlich unterscheidet. Allerdings ist das Jahr nicht zu Ende, und die Zurückhaltung derzeit deutlich spürbar.
Dr. Johannes Wierer

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Sokrates und Zeitgenosse zur Flüchtlingskrise. Teil 1

Sokrates und der  Zeitgenosse treffen sich auf einem Marktplatz in einer deutschen Stadt. Ihre Begrüßung fällt wie immer herzlich aus.

Zeitgenosse: Sokrates, gut dass ich Dich treffe. Ich bin zwar von meiner Frau geschickt worden, um für unser Mittagessen einzukaufen, aber die Gelegenheit will ich nutzen, Dich um Dein Urteil zu bitten. In einer Sache, die mich im Augenblick doch sehr beschäftigt.

Sokrates: Nur zu, ich habe Zeit.

Zeitgenosse: Also das Thema Flüchtlinge geht mir wie Vielen heute derzeit nicht aus dem Kopf. Und mir im Augenblick ganz besonders nicht, da wir eigentlich uns immer eine Mittelmeerreise gewünscht hatten und jetzt auch ein interessantes Angebot gefunden haben.

Sokrates: Aha, ich verstehe. Du hörst also Meldungen wie diese, dass wieder siebenhundert Flüchtlinge im Mittelmeer ertrunken. Du hast doch davon gehört?
Zeitgenosse: Ja, natürlich. Jeder hört davon. Und genau da habe ich ein bisschen ein Problem.

Sokrates: Welche Frage an mich hättest Du denn in dieser Sache?

Zeitgenosse: Ehrlich gesagt, ich bin da in einer ziemlichen Zwickmühle, aus der ich nicht rauskomme. Und deswegen wäre es mir fast lieber, dass Du mir die Fragen stellst, die ich mir eigentlich stellen sollte, zumal Du ja für Deine Fragen ziemlich berühmt bist. Weiterlesen

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Vier Monate Börse 2016 – ein Kommentar.

Die ab Mitte Februar sich abzeichnende Erholung der Aktienmärkte geht weiter. Der deutsche Dax hat die psychologisch wichtige 10.000er Marke wieder überschritten, von 11.000 war schon die Rede wieder. Der Dow Jones hat die ebenfalls bedeutsamen 18.000er Marke wieder überschritten und steht ebenso wie der S&P 500 bereits auf Jahreshöchststand. Die brasilianische Börse, die hier als Stellvertreter für den südamerikanischen Kontinent ausgesucht wurde, bewegt sich ganz Samba nach oben, ebenso wie die nicht dargestellte chilenische Börse auch im Jahresplus liegt.

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Die US-amerikanischen Aktien weisen in dem dargestellten Chart auf den ersten Blick deutlich die geringste Volatilität auf, was einmal ganz generell durch die Stärke der angelsächsischen finanziellen Institutionen und Investoren sowohl auf institutioneller Seite bis hin zu derjenigen der privaten Investoren ganz generell erklärt werden kann. Weiterlesen

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Börsen – kleine 8-Wochen-Bilanz

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Die Woche, die am Freitag, den 12. Februar endet, markiert offenbar das Ende des ersten zyklischen Tiefs der weltweiten Aktienkurse im ersten Halbjahr 2016. Dieses Ereignis fällt zusammen mit dem Erholen der Ölpreise, die z.B. für den WTI-Kontrakt mit 27,77 USD am 9. Februar 2016 ihr seit vielen Jahren historisches Tief hatten und sich bis heute wieder auf

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über 40 USD für WTI erholt haben. Was weniger zum Schluss verführen darf, dass es eine gegenseitige Abhängigkeit beider Indizes gibt, sondern dass an beiden Märkten wie überhaupt in der Welt der Finanzen die Psychologie eine entscheidende Rolle spielt. „The tide lifts all boats“, die Flut hebt alle Boote, gilt nicht nur für alle Aktien eines Marktes, sondern für die Märkte insgesamt. Bezogen auf Deutschland: In der zweiten Februar-

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Woche markiert der Dax30 am Dienstag, den 9. Februar, mit einem Tagestief bei 8.772,88 Punkten sein diesjähriges erstes zyklisches Minimum – gegenüber seinem bisherigen Allzeithoch 12.390,75 Punkten (Tageshoch, 10. April 2015) über 3.600 Punkte tiefer.

Interessant in unserem Chart ist die Entwicklung für den brasilianischen Index, der als Leitindex für Südamerika gewählt wurde. In dem Land geht es politisch nach den Korruptionsvorwürfen gegen die Regierung hoch her. Und das scheint genau die Psychologie zu beflügeln. Zur Psychologie siehe oben.

Wie es weitergeht, ist normalerweise unklar. Der jetzige Börsenboom verdient im Prinzip jetzt von seiner Länge gesehen die Goldene Ehrennadel des ADAC und könnte mal wieder zu Ende gehen. Andererseits ist nach den jüngsten geldpolitisch extrem expansiven Maßnahmen und Akündigungen der EZB unter Mario Draghi die Assetklasse der Aktien neben Immobilien quasi alternativlos, da die Gattung der Festverzinslichen dem Namen noch existiert, der Zins selbst aber abgeschafft wurde.

Dr. Johannes Wierer

Zur Korrelation von Ölpreis und Aktienmärkten

Correlation Between Oil and Stocks Highest Ever Since 1980 [CHARTS]

http://www.reuters.com/article/us-usa-stocks-idUSKCN0WB1FU

zu Brasilien
http://www.onvista.de/news/ueberraschender-boersenboom-in-brasilien-27137995
http://www.onvista.de/news/polarisierte-stimmung-in-brasilien-nach-lula-razzia-26921797

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Börsen – kleine 5-Wochen-Bilanz

Zum 9. Februar 2016 holen Dax und Nikkei die aktuelle Abwärtsbewegung nach- aus welchen Gründen auch immer, vielleicht einfach deswegen, weil es sich um liquide Märkte handelt.

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6 Weltbörsen in der Abwärtsbewegung der ersten 5-6 Wochen des Jahres 2016
(Montag und Dienstag, der 8. und 9. Februar als Teilwoche)

Ein kurzer Blick auf den Dax. Wir sehen die jeweiligen Tagesverluste oder -gewinne in Dax-Punkten:

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Dax-Tagesgewinne oder -verluste zu Beginn des Jahres 2016

Eine gewisse Auffälligkeit (aus den Originaldaten ablesbar) ist dabei, dass der Dienstag sich als der Tag erweist, bei dem die Verluste sich am meisten in Grenzen hielten. Montag, Mittwoch, Donnerstag und gerne Freitag hat es dann stärker gekracht.  Und die tägliche Bandbreite:

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Das alles bei beachtlichen täglichen Schwankungen

Dr. Johannes Wierer

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Einige Börsenindizes für Januar 2016

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Wichtige Börsenindizes im Januar 2016

Die spannende Frage ist eigentlich, warum gerade zum Jahresanfang große Börsen der Welt wie bei dem Startschuss einer Segelregatta alle quasi gleichzeitig in den „Keller rauschen“. Die Probleme, die die Kurse belasten wie Ölpreis, Verlangsamung des Wachstums in China und Krediptprobleme, Zinsanhebung in den USA sind ja nicht neu oder eigentlich bekannte Probleme gewesen. Die zweite spannende, aber sich jedes Jahr aufs Neue stellende Frage ist, wie es weiter geht. Im eigenen Land, für die eigenen Aktien, für die anderen Börsen, die alle doch manchmal wie eben zu Jahresanfang 2016  irgendwie zusammenhängen. Bemerkungen: In unserem Chart wurde jeweils eine Börse oder ein Index als Proxy für einen Kontinent oder einen Teil davon exemplarisch dargestellt. Kurse: Finanzen.net.
Dr. Johannes Wierer

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